Supermom versus Realität

29. September 2016

2016 ist ein turbulentes Jahr im Waldfrieden. Tja, und umbauen müssen wir jetzt auch, denn wir erwarten Nachwuchs. Es ließ sich unmöglich länger verbergen. Schon lange kann ich meinen wachsenden Bauch nicht mehr mit excessivem Kuchenkonsum erklären. Eigentlich soll Waldfrieden State kein Ort sein, wo ich viel über mein Privatleben preisgebe. Fleissige Leser wissen zwar, in welchem Bett ich schlafe, aber dennoch nicht wie. Und das soll auch so bleiben.

Trotzdem habe ich mich dazu entschlossen, in diesem Post etwas persönlicher zu werden, denn meine Schwangerschaft und die Geburt des dritten Kindes verändern Dinge – für eine Weile. Waldfrieden State ist und bleibt eine One Women Show. Bevor ich mein erstes Kind bekam, hatte ich noch sehr große und genauso unrealistische Pläne: Neben Stillen, Windeln wechseln und Co wollte ich ganz locker noch einen MBA aus dem Ärmel schütteln. Es kam alles anders. Ich musste schnell feststellen, dass ein Tag ein guter Tag war, wenn ich es bis zwölf Uhr geschafft hatte, aus dem Schlafanzug in die Jeans zu kommen, das Kind irgendwie satt und sauber war und der Hund nicht aus Not in die Wohnung gemacht hatte. Heute muss ich lachen, wenn ich an die Zeit zurückdenke. Damals war mir überhaupt nicht danach zumute.

Bei Kind Nummer Zwei war ich dann schon deutlich realistischer – und auch viel entspannter. Als Resultat war Kind Nummer Zwei auch sehr entspannt. Und so konzentrierte ich mich einfach nur aufs Überleben, und das in schöner Form. Will heißen, wir haben es uns nett gemacht zu Viert mit Hund im Waldfrieden. Erst als die Kinder etwas größer wurden und ich die Vorzüge der Kinderbetreuung in Form von Krippe und Kita genießen konnte, begann ich mit meinem Studium der Innenarchitektur und mit dem Blog. Das dies irgendwie gelingt, ist jeden Tag ein Balanceakt. Und ohne in gleichberechtigter Union mit meinem sehr tollen Mann undenkbar. Auch habe ich fixe Pläne, große Ambitionen und feste Deadlines mit einem Neugeborenen ad acta gelegt – aus Erfahrung. Jede Mutter wird mir zustimmen, dass es immer anders kommt als man denkt. Wenn Kind Nummer Eins nicht krank ist, dann Kind Nummer Zwei, oder der Hund. Oder die Schule ist zu, oder der Kindergarten, oder Beides. Versteht mich nicht falsch, dass soll hier kein Beschwerdebrief an mein Leben sein, sondern das ist mein Leben. Vollkommen ohne Bewertung.

Ich halte nur sehr wenig davon so zu tun, als wäre ich Supermom. Als wäre die Vereinbarung von Familie und Beruf „nur eine Frage der Organisation“, und eigentlich ganz einfach, wenn man sich nur bemüht. Das denke ich nicht. Es ist eine Frage der persönlichen Ressourcen (sowohl materiell als auch immateriell), der Prioritäten – und dann auch noch der Organisation. Und dabei scheitere ich genau so grandios und oft wie alle Mütter um mich herum. Und manchmal gelingt mir auch etwas Hervorragendes, jedoch ist mein Tempo dabei eher so im zweiten Gang und nicht auf der Überholspur eines 12 Stunden Arbeitstages mit idealerweise durchgeschlafener Nacht.

Ich hatte ja vorhin geschrieben, ich sei nicht „Supermom“. So ganz stimmt das nicht. Ich habe das nur sehr lange gedacht, weil ich mich als Mutter immer mit meinem Leben und meiner Leistungsbereitschaft in der Zeit vor den Kindern verglichen habe. Es bedurfte einer magischen Begegnung, die mir die Augen geöffnet hat. Es war in Seattle, als ich eine nicht enden wollende Stahltreppe vom Hafen nach Downtown empor ging. Ich war allein (ohne Mann) unterwegs, Kind Nummer Eins am Rockzipfel, Kind Nummer Zwei auf dem Arm und den Kinderwagen zusammengeklappt auf der anderen Schulter. Da kam mir eine junge Frau entgegen und sagte: „Look, there comes Supermom!“ Ab diesem Zeitpunkt hat sich meine Einstellung verändert. Ich bin total oft „Supermom“ in meinem Alltag. Und zwar wegen der kleinsten Dinge. Und das sage ich auch meinen Freundinnen, wenn sie mit sich hadern, weil sie irgendetwas nicht geschafft haben – aber die eine Millionen Dinge nicht sehen, die sie geschafft haben. Ich sehe das leider bei mir selbst auch nicht jeden Tag, aber ich bemühe mich.

Und bald kommt also Kind Nummer Drei. Und ich erwarte nichts. Und ich plane nichts. Und ich verspreche absolut nichts. Aber ich werde mich bemühen, weil ich meinen kleinen Blog und mein Studium sehr liebe. Momentan geht es mir sehr gut und ich wünsche und hoffe, dass es so bleibt. Die Geburt Anfang nächsten Jahres wird eine kleine Pause einläuten, da führt kein Weg dran vorbei. Baby Nummer Drei muss erst mal uns und die Welt kennenlernen. Und interessante Blogbeiträge mit Stilldemenz zu schreiben, führt auch irgendwie zu nichts.

Ich wünsche mir sehr, dass Ihr die Reise weiter mit mir geht. Und Ihr dann ein wenig Geduld mit mir habt. Bis es so weit ist, poste ich fleissig weiter, denn die Ideen und die Leidenschaft dafür gehen mir so schnell nicht aus. Nur sind meine Ressourcen vielleicht mal aufgebraucht und der versprochene Blogbeitrag bleibt aus- und dann wisst Ihr auch warum.

 

Eure Eva

 

 

 

 

 

 

 

 

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7 Comments

  • Reply HIMMELSSTÜCK | Rahel 11. Oktober 2016 at 9:52

    Was für ein schöner Post! Für mich sind wirklich fast alle Mütter Supermoms! So viel Liebe, Geduld, Verständnis, Fürsorge, Hingabe, Aufopferung, Zeit etc. die Mütter ihren Kindern entgegenbringen. Und dann sind sie ja auch noch Ehepartner, Frau und Freundin, schmeißen den Haushalt, kümmern sich um die Tiere und gehen „nebenbei“ noch arbeiten oder bilden sich weiter. Oder schreiben einen Blog. Das ist so eine super Leistung, die man nicht oft genug würdigen kann. Ich fühle mich mit Job, Blog, Shop, Haushalt und Hund schon manchmal überfordert, aber so Frauen wie du – einfach Superwomen! Ich wünsche dir eine schöne Zeit und alles Gute für die kommenden Wochen und Monate und freue mich, hin und wieder was von dir zu lesen. Liebste Grüße!

    • Reply Waldfrieden1910 11. Oktober 2016 at 11:12

      Liebe Rahel, ich danke Dir sehr für Deine lieben Worte. Ich bin absolut auf Deiner Seite!! Alles Liebe, Eva

  • Reply Kerstin M. 12. Oktober 2016 at 10:02

    So schön geschrieben und absolut wahr. Ich habe deinen Blog gerade erst entdeckt, finde ihn wunderbar und freue mich, hier zu lesen, auch nach einer längeren oder kürzeren Pause im nächsten Jahr. Dir/Euch alles Gute für die Zukunft.
    Liebe Grüße,
    Kerstin M.

    • Reply Waldfrieden1910 12. Oktober 2016 at 10:10

      Liebe Kerstin, vielen Dank für Deine lieben Worte. Ich freue mich, dass Du den Weg zu Waldfrieden State gefunden hast.
      Alles Liebe,
      Eva

  • Reply Melanie 21. Oktober 2016 at 16:58

    Danke für die offenen Worte! So häufig fühlt man sich als Mutter /Mensch zweiter Klasse, wenn man eingesteht, dass mit Kind und (selbständiger) Arbeit eben doch nicht alles Zuckerschlecken ist.

    Viele Grüße aus Thüringen!

  • Reply Julia 1. Januar 2017 at 20:45

    Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin auch gerade schwanger mit Nummer 2 und mache mir natürlich auch so meine Gedanken. Ich hatte bei Nummer 1 auch gedacht ich mache mal so eben meinen Master „nebenbei“ aber Hunde und Kind haben mich eines Besseren belehrt. Alle Gute für Dich ich bleibe dran was so bei Euch passiert. Aber erst Mal muss ich so eine Kommode zum Wickeln finden. Die ist ja soooo schick!

    • Reply Waldfrieden1910 1. Januar 2017 at 21:46

      Liebe Julia, ist es nicht beruhigend zu wissen, dass es anderen oft ähnlich geht? So zu tun, als wäre Mutterschaft so easy, funktioniert einfach nicht. Viel Erfolg bei der Suche nach der Kommode! Und alles Gute für Deine Schwangerschaft und das Abenteuer danach!

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