Wir machen (Indigo) blau – Das Färbeexperiment

12. Januar 2016

Willkommen 2016! Mögest Du ein tolles, inspirierendes und erfüllendes Jahr werden! Dann leg‘ ich jetzt mal los. Und? Schon einen Vorsatz gebrochen? Macht nichts. Ich halte überhaupt nichts von Vorsätzen, weil sie mir zu restriktiv sind. Aber ich unterstütze gute Intentionen, wie zum Beispiel sich öfter mal locker zu machen, oder neue Dinge auszuprobieren, oder mehr Komplimente zu verteilen. Ich habe just eins unverhofft von meinem Mann bekommen und bin in meinem Schreibtischstuhl sofort einen halben Meter gewachsen. Apropos Mann, mit meinem habe ich 2016 direkt mit einer neuen Sache gestartet – wir haben so richtig blau gemacht. Und dabei ist sogar viel Brauchbares herausgekommen.

Alles began mit meiner Recherche über Aboubakar Fofana – den Meister des Indigofärbens. Er ist einer der wenigen Menschen, die das Handwerk des natürlichen Färbens mit der Indigopflanze beherrscht und verbreitet es unermüdlich über moderne Kanäle wie Instagram (unbedingt folgen @aboubakarfofana) und durch beeindruckende Museumsausstellungen und hands-on in Workshops. Die Resultate seines Könnens sind wunderschön und leider extrem teuer (erhältlich über DARA Artisans). Daher dachte ich mir, ich probiere es einfach mal selbst aus.

Alles was man dazu braucht, ist eine Menge – und liegt hier:

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Alle „Zutaten“ kriegt man problemlos in jedem Baumarkt. Als Farbe habe ich das „Indigo Tie Dye Kit“ gewählt (erhältlich über Amazon), da es natürliche Indigo Pigmente erhält. Keep it natural! Der Stoff stammt teilweise aus der Aussteuer meiner Großmutter von ca. 1920. Gute, alte Baumwolle. Unzerstörbar, wie Ihr gleich sehen werdet. Mein Mann steuerte noch eine Schiesser Feinripp Unterhose und ich ein Tanktop bei.

Die Vorbereitungsarbeiten sind ganz schön aufwändig. Je nachdem, welches Muster man erzielen möchte, muss das gewählte Stück Stoff gebügelt, gefaltet, geknotet, verschnürt und gepresst werden. Gute Anleitungen zu den verschiedenen Mustern findet Ihr in dem Buch Shibori. Färben auf Japanisch von Johanna Rundel. Zum Beispiel das „Dildoeske“ Bündel oben ist gefüllt mit Bohnen und umbunden mit Gummibändern; herauskommen soll ein kreisförmiges Muster. Alle Stoffbündel müssen vor dem Färben im klaren Wasser gelagert werden, damit jede Spur von Sauerstoff entweichen kann. (Also erst rausnehmen, wenn keine Luftblasen mehr aufsteigen!) Bei vielen afrikanischen Indigo Techniken wird der Stoff in Mustern vernäht. Das ist weitaus aufwändiger, die Ergebnisse dafür aber auch.

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Es riecht so, wie es aussieht. Leider. Zeitweise hatte ich Angst um meine Gesundheit, aber da ich keine Hinweise auf eine ernsthafte Gefährdung auf der Verpackung finden konnte, dachte ich mir, das gehört einfach dazu. Außerdem hab‘ ich es meinen Mann machen lassen. Man rührt die Indigo Pigmente in warmes Wasser und gibt dann den Entwickler dazu. Das Ganze wird sehr vorsichtig und langsam hin und her gerührt und dann bei geschlossenem Deckel mindestens eine halbe Stunde in Ruhe gelassen. Diese Variante der Indigomischung ist eine Kleinigkeit im Vergleich zu den Pötten, die Aboubakar Fofana anrührt. Er berichtet, dass er in die Mischung noch Getreide, Datteln und so manch anders Zeug einrührt, die zur Entwicklung der richtigen Mischung beitragen. Er bezeichnet seine Mischungen als seine „Kinder“. Überhaupt spricht er äußerst liebevoll über seine Kunst. Teilweise halten seine angerührten Mischungen mehrere Monate. Die „alten“ Töpfe heißen dann „Old Ladies“. Irgendwann müssen diese dann sterben. Ganz so emotional waren wir jetzt nicht drauf in unserem kalten Keller in unseren Maleranzügen und Gummihandschuhen bis zu den Achseln. Aber ein bisschen habe ich an Fofana’s weise Worte gedacht.

Nach gelungener, chemischer Reaktion bildet sich auf der Oberfläche der Mischung die „Flower“, eine Art bräunlicher Schaum, den man vorsichtig abschöpfen und zur Seite legen muss. Erst dann kann man seine Objekte in die Mischung tauchen. Zur Anmerkung: ich fassen den ganzen Prozess hier ein wenig zusammen. Es ist noch ein wenig komplizierter, als meine Beschreibung vermuten lässt. Aber lasst Euch nicht entmutigen. Wir haben uns auch nicht so ganz an die Anleitung gehalten und trotzdem schöne Resultate erzielt. Manchmal hilft einem das Bauchgefühl weiter.

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Der wohl spannendste Moment der ganzen Aktion ist das Öffnen der verschzurrten Stoffpakete. Zunächst sieht die Farbe noch grün aus, färbt sich dann aber an der Luft durch die Oxydation sehr schnell tiefblau. Laut Anleitung ließe sich der Prozess jetzt noch mehrfach wiederholen, hier sind wir aber dann logisch ausgestiegen, weil wir es nicht kapiert haben, wie man auf der einen Seite die Pakete für die Oxydation öffnen sollte und anderseits das Ganze wieder verpacken und dann nochmal färben sollte. Ich denke die haben sich da vertan. Außerdem war das Ergebnis auf den ersten Blick fast schon viel zu blau für uns. Indigoexperimentwaldfrieden-10

Nach ca. 20 Minuten ist der Prozess abgeschlossen. Die Stoffe müssen nun ausgewaschen werden und dann mit einem Feinwaschmittel gewaschen werden. Und dann ist man auch fertig.

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Wunderschön. Das Bettlaken meiner Großmutter ist mein Highlight. Für meinen Mann die Unterhose.

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Macht das mal. Es macht so viel Spaß! Hier noch einige Tipps:

  • bitte schützt Euch und den Boden und alles in einem Umkreis von zwei bis zehn Metern.
  • macht das bloß nicht mit Euren Kindern
  • besorgt Euch viele Gefäße und eine Grillzange
  • Denkt vorher darüber nach, wo ihr die Stoffe nach dem Färben ausbreiten und trocknen lassen wollt.
  • Have fun!

Von einer professionellen Warte kann ich unseren Ergebnisse natürlich nicht beurteilen, aber gefühlt finde ich die Sachen nicht so schlecht.

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UnterhoseIndigo

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