Kalifornien kurios: Slab City, Salton Sea und Salvation Mountain

28. April 2016

Roadtrips sind dafür da, das Leben herauszufordern, sich auf unbekanntes Gebiet zu begeben und die Welt neu zu entdecken. Kein Roadtrip ohne Abenteuer! Dieses Mal wartete das Abenteuer auf mich im Süden Kaliforniens. Nach dem glamourösen Los Angeles und dem hippen Palm Springs fuhren wir zum Salton Sea, Salvation Mountain und nach Slab City. Nicht nur vor Hitze blieb mir die Spucke weg. Niemals zuvor habe ich etwas Vergleichbares gesehen.

SALTON SEA 

Verlässt man Palm Springs und das Coachella Valley mit seinen extravaganten Country Clubs und Palmen-gesäumten Shoppingmeilen, erreicht man nach zwei Stunden Salton Sea – den größten See Kaliforniens. Nur schwimmen sollte man dort nicht. Das war schon mal anders. In den 50er Jahren sollte das Gebiet zu dem neuen Erholungsgebiet gestresster Städter aus L.A. und San Diego werden – Hotelanlagen und Feriensiedlungen wurden gebaut, große Ferienkampagnen gestartet und tatsächlich funktionierte der Traum für einige Jahre, bis es plötzlich anfing zu stinken. Der Grund: Ein Verkettung Menschengemachter Fehler der dazu führte, dass der Salzgehalt im See unaufhörlich stieg. Die eingeleiteten Düngerabfälle der kalifornischen Farmer gaben dem Salton Sea den Rest. Millionen von toten Fischen säumen heute den „Beach of Bones“ an der Ostküste des Sees.

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Ich laufe leider nicht auf feinem Sandstrand, sondern auf Fischgräten und Fischköpfen. Gruselig und ekelig. Deshalb auch „Beach of Bones“.

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Trotzdem eine beeindruckende Kulisse. Ein Fotoshooting im lila Nebel.

BOMBAY BEACH

Zurück blieben die architektonischeden Überbleibsel einer Tourismusära, und einige Rentner und Verzweifelte, die in der ehemaligen Ferienhaussiedlung Bombay Beach am Salton Sea ihr Dasein fristen. Traurig und faszinierend zugleich. Man bedenke, im Sommer erreichen die Temperaturen im Imperial Valley mühelos 40 Grad. Und vor einem liegt einladend ein tiefblauer See. Aber kein Mensch mit einer funktionierenden Nase und einem Funken Selbstliebe würde es wagen, dort auch nur einen Fuss hinein zu halten. Bombay Beach hat nur noch knapp 300 Einwohnen, von denen wir bei unserem Besuch keinen einzigen sehen konnten. Ich war davon überzeugt, dass der Ort eine Geisterstadt ist. Weit davon entfernt, ist er nicht mehr. Unwichtiges Wissen am Rand: Christina Stürmer drehte ihr Video zu Millionen Lichter in Bombay Beach.

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Endstation Bombay Beach. Nur der Name verweist auf bessere Zeiten.

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Ansonsten ist von den touristischen Anfängen kaum noch etwas übrig geblieben. Das Meiste ist mittlerweile abgerissen.

SALVATION MOUNTAIN

Kurz hinter Niland – einem Ort, der ebenfalls seine besten Zeiten weit hinter sich gelassen hat – und weiter über staubige Routen erscheint plötzlich ein Kaleidoskop an Farben vor dem immerbeigen Hintergrund der kalifornischen Wüste. Mitten im Niemandsland steht Salvation Mountain. Sein Erbauer Leonard Knight widmete den Großteil seines Lebens diesem Monument der Liebe. Seine Botschaft an die Welt ist simpel: Gott ist Liebe. Er gehört keiner Kirche an, er predigt keine Bibelverse und droht auch nicht mit der nächsten Sintflut, sondern sein Lebenswerk verbreitet Optimismus, Liebe und einen Faible für Buntes.

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Tonnen von Lehm, Zement, Stroh, Kleister und Farbe bilden den Berg. Als kleine Accessoires dienen Fundstücke aus der Wüste wie etwa alte Autotüren, Reifen, Äste und Stühle.

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Um Spenden in Form von Farbe (auf Wasserbasis) und Geld wird gebeten. Salvation Mountain sucht permanent Betreuer, die Lust haben sich ehrenamtlich eine Zeit lang um den Berg zu kümmern. Falls Ihr dieses Angebot verlockend findet, dann könnt Ihr Euch HIER bewerben.

 

SLAB CITY – THE LAST FREE PLACE

„Der letzte freie Ort“, das ist der Slogan von Slab City, einem wilden Campingplatz in der Wüste und Auffanglager für Aussteiger, Kriminelle, Verrückte und Verarmte. In den Wintermonaten kommen noch mehrere hundert „Snowbirds“ hinzu. Die Snowbirds sind amerikanische Rentner, meist aus den kalten Regionen der USA, Kanada und Alaska, die ihren gesamten Besitz verkauft haben und jetzt mit Ihren gigantischen Wohnmobilen das ganze Jahr der Sonne hinterherfahren. Die Snowbirds sind allerdings nur ein Beiprodukt von Slab City – und mit den eigentlichen Bewohnern von Slab City – The Slabs – wollen sie auch nichts zu tun haben.

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Die Begrüßung auf der Zufahrtsstrasse läßt das Level an Skurrilität in Slab City schon erahnen. Jedoch wurden meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Auch hier ist es wieder morbide faszinierend und abschreckend zugleich.  Zwei Themen stechen dabei hervor: Armut und Kreativität. Jeder (ausgenommen der Snowbirds) ist in Slab City ist wahnsinnig arm. Es gibt keinen Strom, kein fließendes Wasser, keine Kanalisation, keine Straßen, keine Geschäfte und keine Hoffnung. Aber es gibt Kunst und Installationen (meist aus Schrott) an jeder Ecke und eine große Bühne mit regelmäßigen Livekonzerten, dazu jede Menge Schilder mit Botschaften an die Besucher. Bei manchen dieser Schilder ahnt man aber schon, dass eventuell Verfolgungswahn der Grund dafür gewesen sein muss.

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Slab City grenzt an ein abgezäuntes Millitärübungsgebiet. Das Hören und Fühlen der Raketeneinschläge zu Übungszwecken ist für die Bewohner Alltag.

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Manche Bewohner rotten sich zusammen zu kleinen Gruppen, manche wählen die absolute Einsamkeit. Dieser Wohnwagen hätte auch eine geeignete Kulisse für Breaking Bad sein können.

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Wer nach Slab City fährt, der sollte unbedingt bei „East Jesus“ vorbeifahren und sich das Open-Air Kunstmuseum anschauen. Die gesamte Kunst ist aus Müll und Fundstücken der Wüste gefertigt.

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Und vielleicht hat man ja was gelernt, beim Besuch von Slab City. Unberührt lässt einen dieser Ort nicht. Ich habe sofort danach mit meiner Recherche begonnen und mir zahlreiche Dokumentationen angeschaut. Vielleicht ist Slab City der letzte, freie Ort in Amerika. Aber nur die Wenigsten sind wirklich freiwillig dort. Einige wiederum würden im unfreien Amerika auf der Strasse leben. Gerade in Los Angeles hat die Obdachlosigkeit ein ungeheuerliches Ausmaß angenommen. Dann doch lieber Slab City. Ein Gemeinschaftsgefühl ist dort wenigstens vorhanden, und auch wenn niemand Geld hat, so hilft man sich untereinander wo man kann.

HINKOMMEN

Alle drei Ort sind von Palm Springs aus in wenigen Stunden erreichbar. Eine fantastische Route nach San Diego zurück führt über den Anza-Borrego Dessert State Park und den Ort Julian.

ÜBERNACHTEN

Ich kann Euch leider keine gute Übernachtungsmöglichkeit nennen, es sei denn Ihr schlagt Euer Zelt in Slab City auf. Man kann auch einen Schlafplatz in einem abgeranzten Trailer über AirBnB buchen. Das könnte das Abenteuer Eures Lebens werden. Wir haben in einem mehr als bescheidenen Motel in Calipatria (der nächste Ort) übernachtet.

MITNEHMEN

  • Wasser, Wasser und Wasser
  • Essen (keine vernünftigen Restaurants meilenweit)
  • Sonnenschutz
  • Festes Schuhwerk
  • Humor

 

 

Mittlerweile habe ich so manche Dokumentation über Slab City gesehen. Diese von GEO ist die Beste.

 

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