Buchvorstellung für ruhige Gemüter: The Kinfolk Home

10. Dezember 2015

Kennt ihr Kinfolk? Kinfolk ist ein amerikanisches Lifestyle Magazin, dass die Gemüter spaltet. Kurz umschrieben ist Kinfolk die Meditationsstunde unter den Zeitschriften. Wie das eben so ist mit Meditation? Die Einen schwören darauf, und die Anderen kriegen einen Anfall, wenn sie nur daran denken (meldet sich da das schlechte Gewissen?). Auch ich habe so ein zwiespältiges Verhältnis zu Meditation  – und zu Kinfolk. Aber jetzt gibt es von Kinfolk ein Buch über das Heim; über viele sehr schöne Zuhause aus der ganzen Welt. es heißt „The Kinfolk Home. Interiors for Slow Living“. Es ist wirklich sehr schön. Schaut selbst.

The Kinfolk Home

Es ist ein Buch für den langsamen Konsum. Es schnell durchzublättern und vielleicht an dem ein oder anderen Foto hängenzubleiben, wie ich sonst tue, wäre viel zu schade. Und darin liegt schon ein bisschen die Message von Kinfolk, das Magazin, und The Kinfolk Home. Die Essenz ist das langsame Leben. Dabei geht es nicht darum, nichts mehr gebacken zu kriegen und eigentlich nur noch der freien Zeit zu frönen. Der Ethos, der, der slow living Idee von Kinfolk (bedeutet „Verwandtschaft“) zugrundeliegt, ist die Rückgewinnung von Zeit, und diese wieder Dingen zu widmen, die Freude und Sinn stiften. Konkret baut sich das auf drei Eckpfeilern auf

Cultivating Community. Das pflegen der Gemeinschaft, aber auch im Sinne von Nachbarschaft.

 Simplifying our lives. Das Leben vereinfachen.

Reclaiming our leisure time. Wieder der Bestimmer über seine eigene Freizeit sein.

Und diese drei Prinzipen des slow living zeigen auch die 35 Zuhause und deren Bewohner, die Nathan Williams, Autor des Buches und Chefredakteur von Kinfolk, vorstellt.

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Im The Kinfolk Home

Nach dem Cover zu urteilen, erwartet einen nicht ein Buch über Einrichtungen. Cover einfach ignorieren. Das ist Kunst und kann weg. Aber im Buch erwartet einen einen Mischung aus Portrait- und Interior Photographie, Profile über die Bewohner und kleine Essays, die bestimmte Themen aufgreifen, die mit den Bewohnern in Beziehung stehen. Die Bewohner – Designer, Architekten, Photographen, Stylistin und Unternehmer  – erzählen von Ihren Werten, wie ihr Haus zu ihrem Zuhause wurde und welche Dinge sie nicht missen möchten. Wer jetzt Tipps zu der besten Wandfarbe für das Wohnzimmer, oder dem besten Stoff für das Küchenrollo erwartet, für den ist The Kinfolk Home nicht geeignet.

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Was gefällt an The Kinfolk Home?

Es geht nicht um einen Stil, sondern um die Menschen. Ein Buch über skandinavischen Wohndesign ist bestimmt durch den Style – alles clean, alles hell, alles holzig. Es ist dabei fast unnötig zu zeigen, wer jetzt nun tatsächlich in der skandinavischen Butze wohnt. Bei The Kinfolk Home ist es anders. Jede Einrichtung ist so individuell, wie ihre Besitzer. Und doch haben sie manche Dinge gemeinsam. Die Einrichtungen sind selbstverständlich schön, die Abwesenheit von Plastik ist erstaunlich, jeder Gegenstand hat eine Geschichte, und es wird dort richtig gelebt.

 

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Kaufen?

Hast Du Zeit? Den als Coffee Table Book macht The Kinfolk Home nicht sehr viel her. Das Layout ist ruhig und aufgeräumt, die Fotos harmonisch und entsättigt und der Umfang von 365 Seiten gibt einiges an Lesestoff her. Mit Sicherheit ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk. Und wenn der Beschenkte dir glatte 24€ wert ist, dann würde ich sagen, ja. Für wen ist The Kinfolk Home den was? Vielleicht erkennst Du Dich ja im folgenden Portrait wieder, die Illustrator Matt Blase für das  The Sunday Times Style Magazine entworfen hat. Der Titel: The Style Tribes.

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Trägst Du Bart, alte Cardigans, eine Tüte mit organischen Lebensmitteln über der Schulter und Birkenstock, dann bist Du zumindest der stereotype Leser vom Kinfolk. Das Magazin polarisiert. Seitdem das vierteljährlich erscheinende, selbsternannte „legere Unterhaltungmagazin für junge Erwachsene“ 2011 auf den Markt kam, regen sich die Gemüter. Die Ästhetik sei zu harmonisch, der Inhalt und die Bildsprache vorhersehbar, eine Zeitschrift für Leute die ein nettes Leben wollen, mit nettem Essen und netten Dingen. UND das alles liebend gerne auf Instagram teilen. Das Leben wird zum Instagram Feed. Falls man die Todsünde begeht, und ein Foto vom Kinfolk Magazin auf Instagram postet, dann kommt man in die „The Kinspiracy“ Hölle. Die Betreiber der Webseite sind gelangweilt von immer der gleichen Instagram Soße, die tagtäglich über den Bildschirm läuft. Sie behaupten, es gibt ein Muster und zwar: Kinfolk Covers, Kaffee Lattes, die amerikanische Flagge (trifft auf uns ja nicht zu. Puh!) und Dingen auf Holz. Wahrscheinlich gehöre ich jetzt auch dazu, wenn ich meine Fotos vom „The Kinfolk Home auf Holz“ gleich auf Instagram poste. Aber ich habe noch nie ein Foto von meinem Kaffee gepostet. Ich werde darüber berichten, ob ich es an den digitalen Pranger geschafft habe. Vielleicht mit diesem Foto?

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Fazit: Kinfolk beschäftigt sich halt mit den leisen Dingen des Lebens, schreit Dich nicht so an mit fetten Headlines und schrillen Fotocollagen sobald Du es aufblätterst, und manchmal fragt man sich schon, „Warum jetzt?“. Aber ich finde es herrlich entspannend und es ist wie eine Meditationsstunde. Man quält sich da durch und hinterher fühlt man sich so gut.

Das Buch und die Magazine gibt es, zum Beispiel, bei Amazon.

The Kinfolk.

 

 

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