Glamping mit Pferd auf der Paws Up Ranch

13. Juli 2015

Fast 22 Uhr. Ich sitze auf der Mikrobank im Camper und versuche einen Beitrag über die „schönsten Tage meines Trips“ zu schreiben während mein Sohn dauernd aus dem Bett steigt und mich anschupst und meine Tochter vom Hochbett ruft als wäre unser Camper 10 Meter lang: „Ich möchte was trinken“. So wird das nix. Aber nach Draußen verziehen kann ich mich auch nicht, denn dort wartet eine Mücken-Armada sehnsüchtig auf mich. Der Preis, den man zahlt, wenn man am Fluss campt. Ich erinnere mich an mein Bett aus Wolken auf der Paws Up Ranch (Pfoten hoch!) und denke: Oh Gott, wie geil war das denn!

Drei fantastische Tage haben wir auf der Resort Ranch im Süden von Montana verbracht. Nachdem mein Mann das Paws Up für uns gebucht hatte, erzählte er mir, dass wir in einem Zelt schlafen werden. Meine spontane Reaktion: Das ist wohl ein Scherz! Ich ziehe vom Wohnmobil in ein Zelt und das soll Erholung vom Campingdasein sein? Noch nie war ich so froh darüber, mich getäuscht zu haben.
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Nur mal zum Verständnis für die Größe dieser Ranch: das Paws Up ist 2x so groß wie Manhattan! Und das ist groß! Die Ranch hat angefangen als und ist bis heute eine „Working Ranch“, also keine Show Ranch für Touristen wie wir, die gerne mal Cowboy spielen wollen, sondern betreibt ernsthafte Viehzucht. Neben mehreren gigantischen Blockhäusern kann man sich ein Zelt in einem der fünf Camps auf dem Grundstück mieten. Alles liegt so weit auseinander, dass das Resort einen eigenen Shuttleservice betreibt, der die Gäste hin- und herfährt. Dafür genießt man in seinem Camp die absolute Abgeschiedenheit und Ruhe, die man sich wünscht. Und erst der Sternenhimmel …. Unser Camp hieß folgerichtig „Moonlight Camp“ und lag am Bitterroot River (dort spielt auch der Film „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“).

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Der Abschluss jeden Tages waren die Marshmallows am Lagerfeuer und dazu Geschichten aus Montana, die sich thematisch immer um Mountain Lions, Klapperschlangen und Bären drehten. Direkt neben unserem Zelt hatte ein Adler sein Nest im Baumwipfel errichtet. Die absolute Idylle!

Unsere Wahl fiel aufs Paws Up, weil uns ein Besuch in Montana ohne Ranchaufenthalt einfach sinnlos erschien. Ein Totschlagargument war dann das fantastische Kinderprogramm, von dem wir uns Stunden zu zweit versprochen hatten, die jedoch unser Sohn sofort und vollumfänglich sabotierte. Am ersten Morgen klammerte er sich sofort an mein Bein und vergoß dicke Tränen. Stunden zu zweit hatte ich so auch – nur eben nicht mit meinem Mann. Mein Sohn gab darauf den ganzen Tag sein Bestes: Bei meinem Mittagessen im Ranch-Restaurant erntete ich bemitleidende Blicke und Sprüche wie „I feel so sorry for you!“. Das sollte sich die ganzen drei Tage nicht ändern. Dabei hätte auf den Kleinen im „Kids Camp“ neben zahlreichen Aktivitäten und Basteleinlagen sogar ein kleiner Streichelzoo inklusive „Velcro“ dem Kälbchen gewartet. Meine Tochter dagegen stürzte sich todesmutig und der englischen Sprache (bis auf 3-4 Sätze) nicht mächtig, in alle Aktivitäten des Kids Camp. Inklusive Besuch einer Geisterstadt und Ponyreiten.

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„Velcro’s“ Eltern werden hingegen täglich auf den „Cattle Drives“ von echten Cowboys und Touri-Cowboys über die Weiden getrieben.

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Ich war nie ein Pferdemädchen, habe nie die Wendy gelesen und meine bisherigen Begegnungen mit Pferden waren immer schmerzhaft, aber jetzt ist alles anders. „Indie“, mein amerikanisches Quarter Horse, hat mich überzeugt. Mein Mann hat sich schon auf unserer letzten Reise bei jeder sich ergebenen Gelegenheit auf ein Pferd geschwungen (wenn auch nicht ganz so elegant, wie sich das jetzt anhört), und es auch diesmal im Paws Up wiederholt getan. Aber ich habe mich erst an unserem Abreisetag spontan dazu entschlossen. Man ist auf einer Ranch und saß nicht einmal auf einem Pferd? Total bescheuert! Obwohl mein Hemd nach dieser Reitstunde mit Angstschweiss getränkt war, wollte ich „Indie“ gar nicht mehr loslassen. Oder lag es am Reitlehrer? Der war nämlich sehr kompetent.

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Hannah (nein, sagt es nicht), das Lieblingscowgirl meiner Tochter!

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Waldfrieden State at Paws Up

Aber es gibt sie, die Gäste, die eine Woche im Paws Up verbringen und noch nicht einmal in die Nähe der Pferde kommen. Das ist überhaupt kein Problem: Denn neben diversen Ausritten und Reitstunden kann man so ziemlich ALLES dort machen. So kann man zum Beispiel mit dem Helikopter in den Glacier National Park fliegen, oder mit dem Heißluftballon über die Berge fahren, Wildwasserrafting, Angeln, Kartfahren oder eine ATV Tour machen, oder – ins Spa gehen:

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Waldfrieden State at Paws Up - Spa

Vor der Wiese der Spa-Zelte wurde an einem Morgen eine kleine Yogarunde veranstaltet. Das „Ohm“ habe ich leider durch einen heftigen Aufschrei ruiniert  – eine Wespe hatte mich doch tatsächlich in den Hintern gestochen. Das Tagesgespräch auf der Ranch.

Pfoten hoch, absolut fantastischer, kleiner Glamping Ausflug mit wunderbaren Menschen. Die „Montanans“ sind herzlich, aufgeschlossen, bodenständig und so verliebt in ihren Staat. Jeder weiß es zu schätzen, was für ein Glück er hat, in Montana zu sein. Und das vollkommen zurecht.

Mein erster und letzter Eindruck war übrigens dieser Kerl:

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Lust auf Ranchurlaub in Montana? THE RESORT AT PAWS UP

 

 

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1 Comment

  • Reply Amerika - ohne Worte - Fratuschi 6. Februar 2016 at 16:41

    […] besonders gefällt mir ihr Bericht aus Montana „Glamping mit Pferd auf der Paws up Ranch“ – so kann ich mir Zelten wirklich gut vorstellen! Aber nun “Quiet please” […]

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