Roadtrip mit Kindern – Zehn Tipps für entspannte(re)s Reisen

20. April 2016

Fast neun Monate in Summe fuhren wir in den letzten 3 Jahren mit zwei kleinen Kindern durch Nordamerika. Genau genommen befinden wir uns gerade wieder auf einem Roadtrip. Mittlerweile haben wir so unsere Techniken und Strategien entwickelt, das Reisen auf der Straße für die Kinder, und schlussendlich für die Eltern angenehmer zu gestalten. Hier sind unsere zehn besten Tipps für den entspannteren Roadtrip mit Kindern.

Eins vorweg: ein Patentrezept für jede Situation, die auf so einem langen Roadtrip auftreten kann, haben wir leider nicht. Und sowieso: „Jedes Kind ist anders“. Aber so manche Dinge haben in manchen Momenten für uns glänzend funktioniert. Andere Dinge mussten wir auf die harte Tour lernen. Als wir unseren ersten langen Roadtrip machten, war unsere Tochter drei und unser Sohn eins. Drei Jahre später und wieder ein Roadtrip, funktionieren unsere Tricks immer noch (manchmal).

1  –  TOURPLANUNG

Besonders wenn die Entfernungen zwischen den einzelnen Reiseetappen gigantisch sind und man sich aufgrund der eventuell knapp bemessenen Urlaubszeit viel vorgenommen hat, empfehlen wir: ENDSCHLEUNIGEN. Und akzeptieren, wenn nicht alles geht. Unser Mantra bei Dingen, die wir nicht schaffen: Gucken wir uns beim nächsten mal an, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Unsere Regel für die Planung der Entfernungen lautet aber: eine Etappe sollte maximal zwei Stunden sein und man sollte nicht jeden Tag eine Etappe fahren, sondern zwischendurch mindestens zwei Nächte an einem Ort verbringen. Zu lange Etappen machen die Kinder mürbe und frustriert. Im Vorfeld machen wir unsere Routenplanung mit Google Maps. Wir mussten leider feststellen, dass ALLE mit Google Maps errechneten Etappen in der Realität um mindesten 25% länger sind. Daher empfehlen wir alles vorher mit einer anderen Routensoftware (z.B. Mapquest) abzugleichen. Ziemlich zuverlässig (was Zeitplanung und Kartengenauigkeit angeht) ist dann die NAVIGON App als Navigationssystem im Auto. Das macht das Mieten eines solchen Systems beim Autovermieter überflüssig.

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2  – GEFÄHRT

Wir waren sowohl mit dem Wohnmobil, als auch mit einem Auto auf reisen. Natürlich gibt es auch andere Reisemittel wie Segelboot, Zug, per Anhalter und Bus. Diese Alternativen schienen uns aber für Nordamerika eher unpraktisch zu sein. Die Kinder hatten den größten Spass mit dem Wohnmobil. Man hat immer alles dabei (Toilette – SEHR WICHTIG!), kann bei spontanen Hungeranfällen ranfahren und an den schönsten Plätzen Mittagessen, und die Campingplätze sind immer der größte Abenteuerspielplatz für die Kids und oft atemberaubend gelegen (wichtig für die Eltern!). Tatsächlich sind die State Parks oft die fantastischsten Hotspots, an denen man übernachten kann. Wenn man mit dem Camper unterwegs ist, ist es auch nicht so schlimm, wenn eine Etappe mal länger dauert. Allerdings kommt das Wohnmobil bei Städtetouren an seine Grenzen (San Francisco!!!). Für kurze Roadtrips von zehn Tagen empfehle ich das Auto. Die Investitionskosten in die Grundausstattung des Wohnmobils sind einfach zu hoch (bitte sich nicht auf die Grundausstattung des Vermieters verlassen. Meist grauenhaft!)

3 -MOBIL SEIN

Unsere Roadtrips sind immer eine Mischung aus Gegend und Stadt. In der Natur können sich die Kids frei bewegen, wollen die Eltern allerdings einen bepflasterten Weg entlang laufen, brechen die Kinder meist nach fünf Metern völlig erschöpft und gelangweilt zusammen. Unser Tipp: ein Transportmittel mitnehmen oder vor Ort eins kaufen. Der Kinderwagen eines Kleinkindes ist gold wert, Bollerwagen ist auch OK, wenn auf Dauer für die Eltern auch sehr anstrengend. In diesem Urlaub sind beide Kinder zum ersten mal mit ihren Rollern unterwegs und das klappt super. Beide Roller haben wir im Koffer mitgenommen und seitdem sind sie voll im Einsatz.

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4 – SPIELPLATZ

Ein guter Reisetag ist ein Tag, an dem wir entweder am Strand sind oder in einem Pool schwimmen (beides logisch, aber nicht immer machbar bei einem Roadtrip). Oder an dem wir an einem Spielplatz anhalten und uns und den Kindern eine Pause gönnen. Zum Glück gibt es in Nordamerika überall ziemlich gute Spielplätze – und das sogar in dem kleinsten Nest. Oft befinden sich die Spielplätze an Schulen, in Parks oder in der Nähe von öffentlichen Gebäuden wie zum Beispiel Bibliotheken. Mein Mann und ich hatten sogar kurzzeitig überlegt, einen USA Westküsten-Spielplatzführer zu schreiben, weil wir wirklich an gefühlten 1.000 Spielplätzen waren. Was uns unterscheidet von amerikanischen Eltern ist, dass wir meistens auf der Bank sitzen und lesen, während unsere Kinder spielen. Amerikanische Eltern halten auf jedem Spielgerät eigentlich immer die Hand ihrer Sprösslinge und jeder Schritt des Kleinen wird überschwänglich gelobt. Daher fanden sie es wirklich komisch, wenn wir unsere Kinder „einfach machen ließen“. Auf Spielplätzen lernen unsere Kinder am besten Englisch, und wir machen uns darüber ein wenig lustig, dass unsere Tochter eigentlich nur „Spielplatz-Englisch“ spricht. Sätze wie: „Do you want to play?; Let’s go down the slide., und: It’s my turn.“, konnte sie schon nach wenigen Tagen. Aber auch wir haben eigentlich auf jedem Spielplatz sofort Kontakt mit Einheimischen geknüpft und so oft wertvolle Tipps für Restaurants und Routen bekommen.

5 – ABWECHSELN

Um unsere Kinder bei Laune zu halten, gibt es die folgende Regel: wir machen was für die Erwachsenen und danach etwas für die Kinder. Man sollte immer mit den Dingen für die Erwachsenen anfangen, sonst sinkt die Motivation der Kinder. Praktisch bedeutet das, dass wir zum Beispiel erst ein Museum besuchen oder durch interessante Stadtteile laufen oder generelles Sightseeing machen, und danach etwas Exklusives für die Kinder im Program haben, wie zum Beispiel zum Strand fahren oder den Nachmittag auf einem Spielplatz verbringen. So haben wir alle was von dem Tag.

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6 – HUNGER VERMEIDEN

Für Eltern ist es nichts Neues, dass Kinder plötzliche Hungerattacken haben und dann zu kleinen Monstern werden (unser Sohn!). Auf langen Reisen kann das zu sehr unangenehmen Situationen führen, die an die Nerven aller Beteiligten gehen. Man sollte auch nicht die Auswirkungen der Zeitumstellung unterschätzen. Obwohl unsere Kinder das viel schneller im Griff haben als wir Erwachsenen, ist das Hungergefühl bei den Kleinen noch lange durcheinander. Wie ich oben erwähnte, kann man unterwegs mit dem Wohnmobil sehr unkompliziert eine Mahlzeit zaubern. Fährt man jedoch durch die Einöde mit dem Auto und es begegnet einem für Stunden kein Haus, geschweige denn ein Restaurant, steht man ziemlich blöd da. Unser Tipp: Unbedingt VOR der Abfahrt Snacks einkaufen und kritische Mahlzeiten wie das Mittagessen in die Planung einbeziehen. Sich erst um die Mittagszeit eine Stunde auf die Suche nach einem Restaurant zu begeben, ist übrigens ebenfalls keine gute Idee.

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7 – UNTERHALTUNG

Fast so wichtig wie Snacks, ist die Unterhaltung der Kinder während der Autofahrt. Während mein Mann und ich uns nur an der schönen Landschaft erfreuen können, interessieren die Kinder sich leider so ziemlich überhaupt (noch) nicht dafür. Es sei denn, man fährt durch einen Nationalpark und es steht plötzlich ein Bär, ein Bison, ein Elch oder ein Hirsch vor dem Auto. Da das sehr selten passiert, sollte man vorbereitet sein auf die chronische Langeweile der Kinder. Auch hier bietet der Wohnwagen sehr viele Vorteile, denn die Kinder sitzen auf Kindersitzen an einem Tisch, können somit hervorragend malen oder Spiele spielen. Wir haben uns oft zu Beginn der Reise mit Spielzeug eingedeckt und dieses dann, falls wir es nicht mitnehmen konnten, am Ende gespendet. Unser Tipp für den Roadtrip mit Mietwagen: zwischen die Kopfstützen von Fahrer und Beifahrersitz ein Band spannen (z.B. Fahrradspanngummi) und ein iPad in die Mitte hängen.

8 – ALLEINE SEIN

Falls Ihr der Typ Eltern seid, der jede Minute mit Euren Kindern genießt, ihr nie genervt seid und auch nie das Bedürfnis habt, mal etwas Zeit für Euch zu haben, dann möchte ich Euch dazu von ganzem Herzen beglückwünschen und meinen offiziellen Neid aussprechen. Obwohl ich befürchte, dass auch die symbiotischte Eltern-Kind Beziehung nach mehreren Monaten on the road ein wenig leidet. Mein Mann und ich sind OFT während unserer Reisen mit den Kindern an unsere Grenzen gestoßen. Unser Tipp: die Eltern sollten sich unbedingt zwischendurch gegenseitig „frei geben“. Meist reichen schon wenige Stunden, die man alleine irgendwo verbringt, während der Partner mit den Kindern unterwegs ist und man ist wieder auf Elternspur.

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9 – UNTERKÜNFTE

Während ich ganz gerne in Hotels absteige, sind unsere Kinder am glücklichsten, wenn wir uns eine Ferienwohnung oder Haus mieten. Und ich muss zugeben, dass das seine Vorteile hat, wenn man mit Kindern unterwegs ist. Die Kinder lieben es ganz entspannt mit uns zu frühstücken und dann viel Platz zum spielen zu haben. Wir brauchen uns keinen Stress zu machen, wenn die Kinder mal etwas lauter sind – z.B. um 4:30 Uhr morgens, bedingt durch den Jetlag. Im Gegensatz zu Hotels buchen wir uns meist Ferienunterkünften mit zwei getrennten Schlafzimmern, somit ist die Schlafsituation auch hier für uns viel entspannter. Bisher haben wir mir Airbnb immer gute Erfahrungen gemacht. Tipp: auf Unterkünfte mit Kinderzimmer achten, da die Kinder dann mit dem dort vorhandenen Spielzeug beschäftigt sind und es dort zum Beispiel Kinderstühle etc. gibt.

10 – KOCHEN

Ich hätte niemals gedacht, dass ich mal fürs selber kochen plädiere, da ich es nämlich nicht kann. Aber wer kann es sich schon leisten, sechs Monate lang jeden Tag drei Mal Essen zu gehen?! Ich nicht. Außerdem besteht das ausgewiesene „Kinderessen“ auf nordamerikanischen Speisekarten meist aus Grilled Cheese Sandwich, Mac and Cheese und Chicken Fingers oder Burger. Selbst in kulinarischen Topstädten wie San Francisco oder Seattle ist das Angebot für die Kids ziemlich schlecht. Unsere Kinder sind leider auch nicht so experimentierfreudig was das Essen angeht und haben schon nach wenigen Tagen große Sehnsucht nach dem heimischen Essen. Unser Tipp: unterwegs möglichst viel selbst kochen. Das spricht wiederum für das Reisen im Wohnmobil oder das Buchen von Ferienwohnungen.

Ich hoffe, ich habe Euch mit dem ein oder anderen Tipp Eure zukünftigen Roadtrips mit Euren Kindern etwas erleichtert.

Aloha aus Hawaii und falls nicht hilft dann vielleicht mein Reisemantra:

Enjoy the journey!

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