The Father’s Voice (TFV) – Gedanken vom Vati.

8. Juli 2015

„Einen guten Mann zu finden ist echt schwierig, Papa. Kannst Du mir dabei helfen?“, fragt mich Vica (5) vor ein paar Tagen. „Papa, Du bist echt ein guter Kocher!“, lobpreist Toni (3) mich bei einem meiner letzten „Kochevents“ am heimischen Wohnmobilherd.

Nirgends und nie lebt man so hautnah miteinander wie auf einer Camper-Tour auf 12 qm für sechs Wochen. Oder gar sechs Monate, wie im letzten Jahr auf unserer USA-Reise entlang der Westküste von San Diego bis Vancouver. Was mich im letzten Jahr in den ersten vier Wochen dem Nervenzusammenbruch ernsthaft nahe gebracht hat, erlebe ich auf diesem Trip viel weniger anstrengend und aufreibend: Kinder 24/7. Warum es weniger anstrengend ist? Ist es gar nicht.

 

thefathersvoiceAber irgendwie gehe ich -bzw. gehen wir- lockerer damit um, nehmen es Volley mit Humor: Auch wenn Toni schon zum dritten Mal die Wohnmobiltoilettentür von innen verriegelt und dann von außen zugemacht hat, sodass wir sie nicht mehr öffnen können. Was soll’s denke ich mir: Endlich gibt es einen Rechtfertigungsgrund im nächsten Camping Gear Shop einen Leatherman für 100$ zu kaufen, damit ich Kreuz- und Schlitzschraubenzieher habe, das Schloß ausbauen und dann die Tür wieder öffnen kann.

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Schön ist auch, dass Toni bei jeder Campingplatzübernachtung sämtliche Verkabelung zwischen Handy, Zigarettenanzünder und AUX-Anschluss am Autoradio rausstöpselt, das Handschuhfach ausräumt, die Kindersitze von hinten auf Fahrer und Beifahrersitz schleppt und versucht, das Kleingeld aus der Mittelkonsole in den zweiten Zigarettenanzünderplatz zu fummeln.

Währenddessen produziert die Tochter in der Sitzgruppe Konfettigroße Schnipsel und malt darauf Gummistiefel in verschiedenen Farben, bevor sie dann zu einem Flokatiartigen Bodenbelag werden, die sich prima mit geschlabberten Blaubeeren des Frühstücks verbinden.

Wieso können Kinder eigentlich einen beschissenen Wachsmalstift, den sie aus ihrem Mäppchen genommen haben, nicht nach Benutzung wieder dort hineinlegen? Dann liegen die auch nicht alle unter meinen Füßen und werden zu Farbstaub zermalmt.

Okay, ich bin eine ernsthafte Jungfrau – was das Sternzeichen angeht. Diejenigen von Euch, die mich gut kennen, wissen das. Das gebe ich auch unumwunden zu. Trotzdem liebe ich diese Art von Urlaub und es bereitet mir tiefe Befriedigung, auf diesem kleinen Planeten Wohnmobil „Systeme der Ordnung“ zu schaffen. So habe ich auch am Anfang dieser Reise wieder bei ACE Hardware kleine Kunststoffkörbe gekauft, allerlei Pappkartons zusammengesammelt, Spanngummis und Klebehaken gekauft, um hier ein schönes, analfixiertes Ökosystem zu etablieren, das jedoch auf grausame Weise durch die Bewohner immer wieder „gekippt“ wird. Wie eben auch auf dem echten Planeten Erde.

Moniere ich das, gelte ich als kleinbürgerlich und spießig. Zumindest bei Eva. Aber im Fall der Fälle wird Eva davon profitieren. Da bin ich mir absolut sicher. Nämlich dann, wenn das Bärenspray zur Hand sein soll, weil es gebraucht wird („Wo ist das Bärenspray?“) oder wir fluchtartig wegen Waldbrand den Campingplatz verlassen müssen („Wo ist der Autoschlüssel?“)

Und außerdem hat es ja auch nichts damit zu tun, dass ich eigentlich total verwegen, gefährlich und so bin. Men’s Man eben. Ist doch logisch.

Zumindest sehen es wohl meine Kinder so. Wenn ich mit Toni und Vica Stöcke für Marshmallows mit dem großen Messer anspitze, ich das alltägliche Lagerfeuer (sechs Wochen täglich Lagerfeuer, yeah!) mit beiden zusammen entzünde, ich mit Vica im Bergsee Schwimmen übe (und sie kann es seit vorgestern!) – ja dann kann man sich sowohl in seiner archaischen Rolle als Mann, als auch fürsorglicher, edukativ-orientierter Vater ziemlich gut fühlen. Und dann muss man auch nicht die Olle vermöbeln. So haben alle was davon.

Es ist schon eine tolle Sache, dieses campen. Ich bin heilfroh, dass ich Eva wieder dazu überredet habe. Machen wir weiter.

Lumber T.

PS: „Das ist eine gute Frau!“, sagt Toni zu einem Foto in einem von Evas zahlreichen Mode-, Lifestyle oder Klatschmagazinen. „Warum?“, fragt Eva. „Weil sie so nackig ist. Und die Beine.“ Mein Sohn.

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6 Comments

  • Reply Das B 8. Juli 2015 at 19:02

    So geil! Habe schon lange nicht mehr so gelacht.
    Dein Sohn wird das Leben leben, dass Du nie hattest 😉
    Lass Dich jetzt nicht von Deiner Ollen vermöbeln, und pass auf die Bären auf. Ich glaube, sie hat etwas schiss…
    Und wenn ihr wirklich Hals- über Kopf mit dem Camper fliehen müsst, dann lass sie fahren. Du bist nämlich nicht so ein guter Autofahrer… 😉

  • Reply Das B 8. Juli 2015 at 19:02

    Ach Du Scheiße, ich sehe gerade der Comment muss approved werden. Na ja, die meisten Texte sind ja eh für die Tonne…

  • Reply Die Nachbarn 9. Juli 2015 at 9:30

    Wunderschöner Gastbeitrag. Damit ist die Vaterschaft von Toni endgültig bewiesen. Mehr davon!

  • Reply TiTi 28. Juli 2015 at 22:54

    Wie schön! Das klingt, als hättet ihr Spaß, noch alle eure Kniescheiben und die Kinder werden langsam erwachsen. Haltet das mal schön fest. Denn was ist dagegen ein Gin-Tonic mit annähernd gleichgroßen Eiswürfeln? Wir sehen uns. In der Resozialisation.

  • Reply Melanie 1. Oktober 2016 at 17:40

    Sehr schön geschrieben! Bitte mehr Gastbeiträge!
    Hier meine Blogposts über unsere Campingabenteuer. Mehr Fotos, weniger Text, da ich mit Worten nicht ganz so gut bin:

    USA Westküste: http://melanie-dressel.com/was-wir-im-oktober-gemacht-haben-usa-2012/
    USA Rund um die Rockys: http://melanie-dressel.com/was-wir-im-september-gemacht-haben-usa-2014/

    • Reply Waldfrieden1910 1. Oktober 2016 at 17:51

      Hallo Melanie, finde ich auch! Ich spreche mit meinem Mann!

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