Interior Design Trends 2016: die Highlights der Möbelmesse / Köln

26. Januar 2016

Flotten Schrittes ging ich zur Internationalen Möbelmesse in Köln und kam gebeugt und völlig erschöpft wieder zurück. Schuld war ein Berg an Katalogen, der abwechselnd einseitig meine Schulter gen Boden zog, und eine zurückgelegte Strecke, die mit dem Jakobsweg konkurrieren könnte. ABER auch einen Kamera voller Bilder und die wichtigsten Inneneinrichtungstrends 2016 gespeichert im Kopf.

Die IMM Cologne ist ein jährliches Spektakel sowohl für das Fachpublikum als auch für Jedermann, der sich für Möbel und Inneneinrichtungen interessiert. Aber nicht nur in den Messehallen, sondern auch in den parallel stattfindenden „Passagen“ im Kölner Stadtgebiet werden die Trends und Neuheiten vorgestellt. Ich zeige Euch meine TOP DREI Interior Trends von der Messe und als Bonus fasse ich für Euch noch einen sehr interessante Fachvortrag der Trendagentur „Carlin“ zusammen. Hier soll ja schließlich auch was gelernt werden, nicht nur immer Fotos gucken.

Trend 01 – Glas

Grobe, klobige Industrieleuchten sind anscheinend out. Sag „Hallo“ zu runden, organischen und bunten Glasleuchten, die oft gruppiert und eigentlich immer in unterschiedlichen Höhen aufgegangen werden. Verkaufte ein Hersteller keine Lampen, so schmückte er jedoch fast immer seinen Messestand mit vielen Glasleuchten.

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Tom Dixon ergänzt seine kosmischen Bälle durch „wabbelige“ Leuchten in verschiedenen Größen. Aber Glas kommt nicht nur in Lampenform daher. Ein großes Thema in diesem Jahr ist der Glastisch.

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Fatboy bietet bunte, runde Leuchten  – „Spheremaker“ – von denen man 3, 6 oder 9 zusammen stellen kann. Farben und Höhen können frei gewählt werden.

Rechts: Kristallleuchten der dänischen Marke Ebb&Flow. Auch diese gibt es in zahlreichen Formen und werden bevorzugt gruppiert aufgegangen. So kann man sich seinen eigenen Kronleuchter zusammenstellen. Links: bunt gefärbtes Glas und verspiegeltes Glas gab es allerorts zu sehen, ob als Vase, Lampe oder Schale.

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Ein weiteres Beispiel für kugelrunde, bunte Glaspendelleuchten. Diesmal handgeblasen von ‚Aa-Glass‘ aus Hawaii!!

 

Trend 02 – Materialmix mit Marmor

Marmor, Marmor, Marmor. Als Oberfläche für Tische, Küche und Bad kommt man kaum darum herum. Ich bin ein sehr großer Fan von Marmor. Er besitzt das Flair der Vergangenheit, ist sehr vielseitig, geschmeidig, stilvoll und kann sehr modern interpretiert werden. Zeitlos eben.

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Traumhaftes Stilleben auf Marmor/Holz – Couchtisch bei Cassina, die überhaupt einen der geschmackvollsten und gemütlichsten Stände der Messe hatten.

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Ligne Roset vereint gleich zwei Trends: Marmor und Glas zusammengehalten von Messing. Knaller.

Häufig kombinieren die Hersteller dunkles Marmor mit Messing und Holz (links: Frigerio, rechts: &Tradition). Der weisse Marmortisch mit weißem Metallgestell wirkte überaus erfrischend und passt perfekt in eine skandinavische Einrichtung.

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Kann mich kaum entscheiden: der Marmortisch oder die Keramik? Beides gesehen bei Baxter. Der Messestand von Baxter war auch mein absoluter Lieblingsstand auf der imm Cologne. Es fühlte sich an wie ein Wandelgang durch einen italienischen Palazzo, perfekt mit integriertem Terrarium (ohne Tiere).

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Der schönste Tisch stammt von &Tradition, einer relativ jungen Marke aus Dänemark. Das unbehandelte Holz ist ein so unprätentiöser Kontrast zum edlen Marmor, er wirkt herrlich normal. Der „Fly Table“ ist auch mit dunklem Marmor erhältlich.

Trend 03 – Grün

Als ich die nachträgliche Berichterstattung zur Messe gelesen habe, war ich ganz überrascht. Andere Leute haben ganz andere Farben als Trendfarben ausgemacht. Manche sprachen von Weinrot (Marsala, Trendfarbe 2015) in Kombination mit Tiefblau. Manche sahen überall die neuen Trendfarben 2016 Babyrosa (Rose Quartz) und Babyblau (Serenity) von Pantone. Aber für mich war alles nur Grün, und ich bin nicht farbenblind. Vielleicht ist es auch selektive Wahrnehmung meinerseits. Wunderschönes Grün in allen Tiefen und Schattierungen: Smaragdgrün, Mintgrün, und als Pflanze.

Indigoexperimentwaldfrieden-28Freiform Sofalandschaft von Baxter aus Wildleder.

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Meine Lieblingsfarbkombination: Sand und Grün.

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Pannesamt fürs Sofa? In der Installation „Das Haus – Interiors on Stage“ – eine Zusammenstellung gewählter Trendstücke schon.

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Toller Teppich von Muuto aus Dänemark. Er sieht kratzig aus, ist aber sehr weich da 100%  Wolle. Er heißt Varjo Rug.

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Ohne Zimmerpflanzen läuft nix mehr Zuhause. Gut fürs Klima und gut fürs Auge.

05 – Trends Interior Design 2016 /2017

Eine schöne Abwechslung zum Katalogeeinsammeln und Probesitzen auf der Messe waren die Fachvorträge. Besonders gefallen hat mir der Vortrag der Carlin Trendagentur zum Thema „Interior Design Trends 2016/2017“. Die Vortragende Mayouri Sengchanh hat in vielfacher Hinsicht Ihre Hausaufgaben gemacht und eine eindrucksvolle Powerpoint Präsentation mit Videoeinspielungen gehalten und zum Abschluss die sündhaft teuren Trendbücher der Agentur zur Anschau ausgelegt. Leider kann ich Euch keine Fotos zeigen, denn Fotografieren war streng untersagt und ein Trendbuch für 500€ wollte ich jetzt nicht unbedingt erwerben. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir die etwas theoretische Abhandlung. Hier die vier wichtigsten Trends der näheren Zukunft:

 

Breeze (Atempause):

Abgestimmt auf die Bedürfnisse der „Neo-Elders“, also die neue und fittere Rentnergeneration bietet der Trend „Breeze“ zuhause eine Atempause zum Aufladen der Batterien. Die Inspiration für Farben, Materialien und Mustern kommt aus der Natur: das Meer, die Luft, der Himmel. Die Farbpalette zeigt Blautöne, Mint, Sandtöne, Wasserfarben, die in Farbverläufen und abstrakten Streifenmustern (keine Blockstreifen mehr) gestaltet sind.

Sincerity (Aufrichtigkeit):

Ein Trend, der schon etwas länger zu beobachten ist. Zuhause soll das Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Wärme erzeugt werden durch friedvolle Farben und weiche Materialien. Der Begriff „Cocooning“ ist vielen geläufig. Die bevorzugten Materialien des Looks sind Holz, Wildleder und Wolle, die Formen abgerundet und die Farbpalette besteht aus Nude, Pastelltönen, Navyblau als zeitloser Ton gepaart mit Marsala (Trendfarbe 2015) und Holztönen. Das Kuschel-Design wird oft überzeichnet durch XXL Volumen der Möbel. Aber auch Zerbrechlichkeit und filigranes Design, das ein Spiel der Transparenzen erzeugt sind Teil dieses Trends.

Tracks (Spuren) oder auch „Urban Romance“

Dieser Trend ist für Städter. 2025 werden voraussichtlich über 60% der Weltbevölkerung solche sein. Um das urbane Umfeld erträglicher zu gestalten holen sich die „Muppies“ und „Yummies“ die Natur in die Stadt. Muppies? Yummies? Tja, das sind wir, liebe Leser. Die neue Frauengeneration, die hart arbeitet, aber ihr Wohlbefinden über den Job stellt, die gerne ein Start-up Unternehmen gründet, Blogs liest, Fair Trade Kaffee trinkt, Yoga macht und lieber eine Abenteuerreise unternimmt als zwei Wochen im Robinson Club zu verbringen. Eine sehr schöne Ausführung zu Muppies schrieb Michelle Miller auf Huffingtonpost. Die Yummies (Young urban male) sind das männliche Gegenstück – fast. Eine junge Männergeneration, die Nachfolger der Metrosexuals, die keinem Diktat folgen, selbst entscheiden, jedoch kaufkräftige Freunde des Luxus sind beherzte Trendjäger sind. Ein Artikel des New York Magazines gibt Aufschluss. Zurück zum Trend: Es geht sowohl um Nachhaltigkeit, aber auch um einen sehr aktiven Lifestyle, der sein Pendant findet in Materialien wie Kork, intelligente Synthetikstoffe und Neo Camouflage Muster und Innenraumbegrünung. Die Farbpalette besteht aus Grün, Acid Tönen und urbanes Grau.

Cosmopolitan

Der Trend für den Vielreisenden im urbanen Dorf. Hier wird das Beste aller Ethnien vereint zu einem multi-kulturellen Mustermix bestehend aus floralen Mustern, stilisierten Grafiken, ethnischen Mustern und einer schlanken Silhouette. Die neue visuelle Sprache ist inspiriert aus der digitalen Welt, aber auch aus traditionellem Handwerk wie zu Beispiel Flechtarbeiten. Holz ist ein wichtiges Material, das jedoch sehr kunstfertig und oft asymmetrisch verarbeitet wird. Die Farben sind Erdtöne, Schwarz und warme, harmonische Töne.

Jetzt seid Ihr voll im Bilde. Und? Für welchen Trend entscheidet Ihr Euch?

 

 

 

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