Andächtig schön – Hotel August, Antwerpen

Es gelingt nur wenigen Architekten einen bedeutsamen Ort umzufunktionieren, ohne dabei die Seele des Ortes zu zerstören. Dem belgischen Architekten Vincent van Duysen ist das mit seinem ersten Hotelprojekt „Hotel Augus“t in Antwerpen gelungen. Er verwandelte eine ehemalige Augustinerkapelle in ein stilvolles, unaufgeregtes und gleichzeitig beeindruckendes Hotel, dass ich kürzlich selbst besuchen durfte.

Die Fahrt zum Hotel August in Antwerpen führt nach Berchem, ein Viertel, dessen Straßenbild geprägt ist von seiner wunderschönen Architektur der Belle-Époque Ära und orthodoxen Juden, und von manchen als das schönste Viertel der Stadt bezeichnet wird. Das Hotel ist von außen kaum als solches zu identifizieren. Nur ein kleines Schild am minimalistischen Eingang verrät uns, dass wir angekommen sind. Schon beim Einchecken werden alle Sinne auf dieses außergewöhnliche Erlebnis „Hotel August“ gepolt: ein Raumduft versprüht Aromen von Weirauch, sofort wird uns ein Glass Wasser mit Minze und Zitrone gereicht, die Rezeptionstheke ist aufwändig mit schwarzem Echtleder bezogen und lädt zum Anfassen ein, und blickt man zur Seite so erspäht man das Herzstück des Hotels: die Hotelbar. Dieser Raum macht mich sprachlos. Er ist schlicht und einfach wunderschön. Jedes Detail in der ehemaligen Kapelle ist liebevoll gestaltet, jeder Blickwinkel eröffnet Wowmomente und trotz der hohen Decke ist dieser Raum gemütlich und wohnlich, und das bei Tag und Nacht. Es ist sowohl wunderbar hier bei Tageslicht, dass durch die zahlreichen Fenster ströhmt einen Kaffee zu trinken und in den zahlreichen Interior Büchern zu stöbern, die in der hauseigenen Bücherei ausliegen, als auch abends den Hauscocktail zu trinken (unbedingt bestellen!) und dabei das illustre Publikum zu betrachten, dass sich im neuen Hotspot der Stadt versammelt hat. Und trotzdem ist dem Gast bei jedem Schluck hoffentlich bewusst, in welchem Ort er sich befindet. Den sakralen Charakter hat die ehemalige Kapelle nicht abgelegt.

Der ausführende Architekt Vincent van Duysen scheint ein sehr spezieller Typ zu sein, und vielleicht daher auch der richtige für den Job „Hotel August“. Für den gebürtigen Belgier ist es das erste Hotelprojekt. Einmal kam es fast dazu, in London. Aber er mag keine großen Hotelketten und Auftraggeber, die sich hinter einem unübersichtlichem Team verstecken. Viel lieber hat er persönlichen Kontakt zu den Bauherren, daher war die Zusammenarbeit mit den Besitzern des Hotel August, dem Ehepaar Mouche Van Hool und Laurent De Scheemaecker, genau sein Ding. Die Beiden sind auch Besitzer der kleineren Schwester des Hotel August, dem Hotel Julien, mein Geheimtipp für Antwerpen. Das Projekt zog sich über fünf Jahre hin und seit April diesen Jahres können nun endlich Gäste im Hotel August empfangen werden. Sie nächtigen dann in den ehemaligen Zellen der Ordensschwestern, 44 Stück sind es. Die Zimmer sind stilvoll und schlicht, fast schon etwas spartanisch eingerichtet. Opulenz fehlt hier völlig. Vereinzelt hängt ein Bild eines flämischen Malers ungerahmt an der Wand. Das war’s. Die Vorhänge sind aus schwerem belgischen Leinen. Naturmaterialien finden sich überall, auch die Farbpalette besteht aus entsättigten Naturtönen mit dem obligatorischen starken schwarzen Akzenten, die das Zeitgenössische darstellen. Technik und Kabel wird man hier nicht finden, sie sind dezent versteckt.

„Silence is important, you have to have a sense of rest and serenity. We are in a chapel, but it is scaled down to the people that occupy the space.“

Vincent van duysen
Vincent Van Duysen

Die Handschrift des Architekten ist überall im Hotel zu finden. Es ist gemütlich und wohnlich. Van Duysen hat sich bei seinem Design an sakralem Interior orientiert und diese Inspiration in jedes kleinste Detail einfließen lassen. Nicht nur das Gesamtkonzept ist von ihm entwickelt, sondern auch die Möbel, Lampen und Accessoires; selbst das Geschirr und Besteck. Van Duysen ist nebenbei auch noch Kreativdirektor der italienischen Möbelmarke Molteni & C. Die Möbel des Hotel August sind dort entstanden und können auch bei der Marke erstanden werden. Wohnen wie im Hotel. Das Label „Minimalist“ mag Van Duysen nicht. Sein Stil wurde auch als „luxurious functionalisms“ beschrieben. Ich finde, das passt. Denn das Zusammenspiel von guten Naturmaterialien und klaren Linien und Formen reduziert sich auf das Wesentliche, das Funktionale.

Everything has to have a soul and a reason to exist. That’s why, from the lighting to the furniture, it is all craftsmanship.

Vincent van Duysen

Hier nahm früher die Leiterinnen des Augustiner-Stifts ihre Mahlzeiten ein. Jetzt ist es eine Bibliothek mit einer sehr guten Sammlung an Interior Büchern.

Einer der drei Gärten des Hotels. Skurril mutet der Felsen hier an. Leider war es bei meinem Besuch im November zu kalt, um hier meinen Kaffee zu genießen, aber ich stelle es mir im Sommer herrlich vor.

Die Rezeption ist perfekt in den Durchgang eingefügt. Das schlichte Design kontrastiert mit den Ornamentfliesen und den Wänden.

Es gibt einen kleinen Spabereich, den man auch exklusiv für eine Zeit mieten kann. Die Massagen kann ich nur empfehlen, besonders nach zwei Tagen Städtetour.

Gegenüber vom Hotel August gibt es den hauseigenen „Coffee Shop“. Hier kann man Devotionalien des Hotels neben leckerem Kaffee und belgischen Spezialitäten entstehen. Ich habe dort den hauseigenen Raumduft gekauft, der mich jetzt an mein fantastisches Wochenende erinnert. Falls Ihr jetzt überzeugt seit, dann schicke ich Euch jetzt auf die Website des Hotel August und wünsche Euch eine ebenso entspannte Zeit, wie ich es dort hatte.

Alle Fotos von Robert Rieger. Courtesy of Hotel August. Thank you!

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