Farben bestimmen mit dem ColorReader

Als Blogger bekommt man so manches Angebot, doch mal ein Produkt vorzustellen. Bisher habe ich das immer dankend abgelehnt, weil die Produkte dann doch herzlich wenig mit Waldfrieden State zu tun hatten. Doch vor einigen Wochen bekam ich die Anfrage, ob ich Interesse hätte, den ColorReader von Datacolor zu testen. Der war mir schon auf der diesjährigen Möbelmesse in Köln aufgefallen. Bei einem Trendvortrag zum Thema Farben konnte man das handliche Gerät gewinnen. Leider stand ich bei der Beantwortung der Preisfrage komplett auf dem Schlauch, aber man sieht sich immer zweimal im Leben – ColorReader. Also ist dies wohl meine erste „Werbung“ auf dem Blog (Tata!), weil man Produkttests, für die man ein Produkt zur Verfügung gestellt bekommt, auch als Werbung kennzeichnen muss. Das passende Projekt zum Produkttest des ColorReader gab es auch. Hier das Ergebnis.

 

DAS PROJEKT

Produkttests funktionieren nur, wenn man sie „in ihrer natürlichen Umgebung“ ausprobiert. Mein Test für den ColorReader ist ein Kundenauftrag aus dem wahren Leben. Im Rahmen eines größeren Interior Designprojekts an dem ich momentan arbeite, definiere ich auch ein Farbschema für ein Raumkonzept. Details über das Projekt sind noch „Top Secret“, werden aber nach Fertigstellung auf dem Blog präsentiert. Ich verrate nur so viel: es ist ein Traumprojekt! Und das folgende Mood Board lässt es erahnen: es wird glamourös!

 

Das übergeordnete Thema der Farbpalette für dieses Projekt lautet „Juwelentöne“, da sie den Glamour und die Eleganz des Projekts perfekt widerspiegeln. Aber es ist gar nicht so einfach, gute Vorlagen für Juwelentöne (konkret Saphir, Rubin und Smaragd) zu finden. Klar kann man im Internet recherchieren –  aber jeder weiß, der schon einmal Farben anhand des Webs bestimmen wollte: Bildschirme lügen! Leider bin ich auch nicht Besitzerin der Kronjuwelen, sondern nur dieser drei kleinen Ringe, mit jeweils einem Smaragd, Rubin und Saphir, die übrigens für meine drei Kinder stehen.

 

FINDE DEINE FARBINSPIRATION

An diesem Punkt kommt nun der ColorReader von Datacolor ins Spiel. Das Gerät bestimmt Farbtöne anhand von Oberflächen, wie zum Beispiel Stoffen und Wänden. Es ist -ganz praktisch gesprochen- ein Scanner für echte Materialen und Gegenstände, mit dem man den Farbwert desselben bestimmen kann. Ganz normale Alltagsgegenstände werden so zur Farbinspiration. Für mein Projekt bedeutet es, dass ich Gegenstände finden muss, die meiner Vorstellung von Juwelentönen am Nächsten kommen. Gefunden habe ich alte Fotografiebücher aus den Siebzigern, deren Cover die perfekten Juwelentöne darstellen. Und nun werdet Ihr auf das Foto schauen und denken: „für mich sieht das aber nicht so aus!“. Und dazu sage ich wieder: auch Fotos lügen! Da müsst Ihr mich jetzt einfach vertrauen – die Farben der Buchcover sind juwelenhaft.

 

MESSE DIE FARBE

Um die Farbe mit dem ColorReader zu bestimmen, braucht man die ColorReader App, die man sich im App-Store herrunterladen kann. Das Gerät verbindet man per Bluetooth mit dem Handy, platziert es auf der gewünschten Fläche und misst dessen Farbton binnen Sekunden. Das Farbergebnis wird in verschiedenen Farbsystemen dargestellt. Neben dem Farbsystem RAL, NSCU (z.B. für das Anmischen von Wandfarben, Lacken o.ä.) wird der Farbton in Druckfarben (CMYK) und für den Bildschirm (RGB bzw. #Hex) dargestellt. Bald wird Datacolor in Deutschland (wie auch schon in anderen Ländern) auch die Farbpaletten konkreter Farbhersteller (z.B. Farrow & Ball) in der App einbinden, so dass man eine direkte Produktreferenz bekommt.

Ein weiteres Feature ist die Ansicht im Farbfächer (Foto Mitte). So sieht man, wo der gemessene Farbton ungefähr liegt und kann sich ähnliche Farben anschauen. Und möchte man direkt komplette Farbschemata erstellen, so ist das Feature „Koordinierte Farben“ interessant. Dort sieht man die gemessen Farben als Basis für die Schemata „Komplementär, Dreifach-Schema, Analog & Monochrom“

Aber Achtung: Die angebotenen Alternativ-Farbenschemata und Farbabstufungen auf dem Handy-Display entsprechen fast immer nicht dem tatsächlichen Aussehen der Farbe im Druck (CMYK) oder als „Streich-“ bzw. Lackierfarbe (RAL). Das bedeutet in der Praxis, dass Du nicht einfach einen alternativen Farbton am Bildschirm aussuchen und dann mit der Farbinformation in den Baumarkt zum Anmischen gehen kannst. Du musst auf Basis des „Bildschirmvorschlages“ eigentlich einen RAL- oder Pantone-Farbfächer (aus Papier) zur Hand nehmen und Dir anschauen, wie die Farbe tatsächlich in gedruckter Form aussieht. Das klingt komplizierter als es ist. Ist es nämlich nicht.

Merke Dir einfach, dass die Bildschirmdarstellung fast nie der Druckdarstellung entspricht (Außer Du hast Deinen Monitor mit Werkzeugen entsprechend kalibriert).

Deshalb brauchst Du einen „Übersetzer“ in Papierform, um auf Nummer sicher zu gehen. Noch ein Wort zum Anmischen der Farbe im Baumarkt: Baumärkte brauchen – soweit ich das bisher gelernt habe – RAL- oder NCS-Farbwerte (genormtes Farbsystem), um Nachmischen zu können. Sie können nichts mit Pantone, CMYK oder RGB anfangen. Dafür gibt es eine Website, die eine Umrechnung verschiedener Farbsysteme in RAL ermöglicht. (HIER) Willst Du die Farbe nur am Bildschirm darstellen (z.B. im Rahmen Deiner Website), kannst Du den Farbcode natürlich übernehmen.

 

ERSTELLE EINE FARBPALETTE

Dier ColorReader App ermöglicht es Dir, auch eigene Farbpaletten zu bestellen, die Du benennen und mit Notizen versehen kannst. Für mein Projekt war das sehr hilfreich, da ich mehrere Farben miteinander kombinieren möchte. Ich habe sogar mehrere Farbpaletten in abgestuften Farbintensitäten angelegt und konnte diese dann miteinander vergleichen.

 

 

VOM BILDSCHIRM ZUM FARBMUSTER

Mit meiner Farbpalette und den Farbcodes bewaffnet habe ich mir im Fachhandel dann Farbproben anmischen lassen und als Muster verstrichen. Mir gefiel das Ergebnis. Dem Kunden gefiel das Ergebnis. Den Teil des Jobs „erledigt“. Selbstverständlich ergeben sich minimale Farbunterschiede – wie schon oben beschrieben – zwischen Referenzobjekt – Bildschirm – und Farbprobe. Aber das passiert auch, wenn man sich Farbproben anhand eines physischen Farbfächers aussucht. Je nach Farbenhersteller, Untergrund, Finish (z.B. glänzend, seidenmatt oder matt) und Lichtverhältnissen im Raum fallen Farben sehr unterschiedlich aus. Da braucht man Fingerspitzengefühl und Erfahrungswerte, um auf Anhieb den perfekten Farbton zu treffen. Der ColorReader ist ein praxisorientiertes und sehr hilfreiches Farbübersetzungstool von Realität zum Screen. Es hilft, Farben zu speichern und geeignete Farbschemata zu finden. Aber er ersetzt natürlich nicht die Beurteilung von Farbproben im Raum durch das Auge des Betrachters. Auch in diesem Projekt gab es jeweils drei Varianten des gleichen Farbtons, die dann in der Zielumgebung unter den dort gegebenen Lichtverhältnissen getestet wurden. Aber zum Glück war immer der richtige Farbton dabei.

 

Falls Ihr Euch noch etwas intensiver mit dem ColorReader von datacolor beschäftigen wollt, findet Ihr alle technischen Informationen und Anwendungsvideos HIER.

Käuflich erwerben könnt Ihr die Basisversion (die ich auch verwendet habe) für €117,81 auf der Seite von datacolor. Es gibt dort auch eine Pro Version, die ohne App verwendet werden kann.

Der Beitrag ist in Kooperation mit datacolor entstanden.

 

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