Das 1×1 des Einrichtens: Küchenarbeitsplatten

Bei der Auswahl der Küchenarbeitsplatte sind die Meisten total überfordert, ich auch. Neben rein ästhetischen Überlegungen sollte man auch Handhabung, Haltbarkeit, Preis und Umweltfreundlichkeit im Blick haben. Ich habe das Thema mal ein wenig aufgedröselt und die Vorteile und Nachteile der gängigsten Materialien für Küchenarbeitsplatten für Euch aufgelistet.

Bevor man sich mit der Auswahl des richtigen Materials für die KÜchenarbeitsplatte befasst, sollte man sich folgende Fragen stellen, deren Beantwortung das Ziel, die möglichst beste Entscheidung zu treffen, ein bisschen näher bringt.

Wer benutzt meine Küche?

Bin es nur ich, die die Oberfläche immer korrekt reinigt? Oder sind es auch meine Kinder, die mit allen möglichen Mitteln daran gehen? Wenn alle mitmachen, dann ginge vielleicht auch eine eher empfindliche Arbeitsplatte. Falls nicht, dann lieber Finger davon.

Bin ich bereit, mehr Energie in die Pflege meiner Arbeitsplatte zustecken?

Wem Patina, Kratzer, Verfärbungen und Pflegen egal sind (Halleluja!), der kann diesen Punkt ignorieren und sich Bitteschön jede Arbeitsplatte kaufen, die ihm gefällt. Aber wir Anderen sollten uns fragen: bin ich bereit, meine neue Arbeitsplatte zu pflegen und zu hegen, zu ölen, zu polieren und unter jedes Rotweinglas einen gigantischen Untersetzer zu stellen?

Wie ist das Layout meiner Küche?

Ist meine Küchenarbeitsplatte eventuell vier Meter lang? Dann könnte es mit Marmor aus einem Stück schwierig werden, denn die Übergänge von einem Stück Marmor zum anderen werden immer sichtbar sein. Hat meine Küche vielleicht kein Standartmaß? Dann ist es schwierig Standartplatten bei, zum Beispiel, Ikea zu kaufen.

Wieviel Geld möchte ich ausgeben?

Das ist vielleicht die alles entscheidende Frage. Wieviel Geld habe ich für meine neue Küche zur Verfügung. Küchen können verdammt, verdammt teuer sein. Unglaublich teuer! Und das kann auch maßgeblich von der Wahl des Materials für die Küchenarbeitsplatte abhängen. Marmor ist eine teure Wahl. Holz ist da etwas günstiger, aber auch pflegeintensiver.

Wie ist mein Style?

Der eigene Geschmack und Einrichtungsstil sollte sich auch im Küchendesign widerspiegeln. Möchte ich eher eine rustikale Landhausküche? Dann ist Holz eine gute Wahl. Mag ich es eher clean und modern? Oder rustikal-industriell? Bin ich der innovative Typ, der mit seiner Küche neue Maßstäbe setzten möchte? Versucht Euren Stil zu definieren in wenigen Stichpunkten und Euer Küchendesign schlüssig damit abzugleichen.

 


DIE MATERIALIEN


Beton:

Küchenarbeitsplatten aus Beton müssen nicht mehr so dick sein wie ein Sandwich von Subway. Damit entfällt das Gegenargument, die Platten seien zu wuchtig und schwer. Neue Betonmischungen machen es möglich, Betonarbeitsplatten dünn und damit viel leichter zu erstellen. Die Platten werden entweder im Handwerksbetrieb in Form gegossen oder direkt vor Ort gegossen. Es gibt immer Variationen in Farbe und Textur, die gewollt oder auch nicht sind. Wer sich schon einmal einen Betonboden hat gießen lassen, der weiß wovon ich rede. Aber je nach zugegebenen Steinen oder Farbzusätzen, bekommt das fertige Produkt seine Farbe und Textur. Aber ist es einmal gegossen, gibt es kein zurück mehr. Da Beton offenporig ist, muss es versiegelt werden, um Flecken möglichst zu vermeiden.

Foto: Ingersoll Road / McLaren Excell

 

+ weitestgehend ein Naturmaterial

+ Hitzebeständig

+ Langlebig

+ Individuelles Produkt

+ Gibt es in verschiedenen Farben und Texturen

– Muss versiegelt werden

– Material kann Risse bekommen

– Endergebnis kann nicht 100% garantiert werden

 

Edelstahl:

Das Material erlebt momentan eine Renaissance als Arbeitsplatte und überhaupt als Wahl für die Küchenfronten. Neuerdings tritt es in gebürsteter Form in ganz flach in Erscheinung (Boffi). Während früher Edelstahl oft auf eine Trägerplatte aus Holz angebracht wurde und die Kanten oft mit Edelstahl umwickelt wurden, wird es heute oft bündig mit der Trägerplatte angefertigt, so dass man die Holzkante schön sieht, oder pur als Edelstahlplatte verarbeitet. Das ist günstiger und transportiert das Material in 2018. Edelstahl eigenen sich hervorragend für das Arbeiten in der Küche, denn das Metall ist extrem hitzebeständig und haltbar. Wer es gerne ästhetisch kühl mag, der ist höchst wahrscheinlich sehr zufrieden mit dem puren Edelstahllook. Sonst bietet es sich an, Edelstahl mit wärmeren Tönen und Materialien wie Holz zu kombinieren. Um zur Pflegeintensivtät bei Edelstahl zu kommen: es ist nur etwas für die entspannten Gemüter oder Leute mit Putzfimmel.

 

+ Hitzebeständig

+ Hygienisch und leicht zu reinigen

+ Sehr haltbar

– Nicht stoß- und schlagfest

– Je nach Oberflächenbehandlung pflegeintensiv (Fingerabdrücke/Wasserflecken!)

– Kalte Wirkung, kalt auf der Haut

 

Quarzwerkstoffe:

Es kombiniert das Beste aus zwei Welten:  Es besteht aus über 90% Quarzsand, der gemischt mit Pigmenten und Acrylharz zu einem extrem festen und haltbaren Stoff verbunden wird. Quasi ein künstlich gefertigter Stein, nur das man genau das bekommt, was das Musterstück verspricht. Das mag für diejenigen, die gerne auf der sicheren Seite des Lebens unterwegs sind, der richtige Werkstoff sein. Einige bekannte Firmen sind Silestone, Zodiaq und Caesarstone.

Countertop Island In Corian® Quartz Versilia Grigio. Foto by Corian.

+ Budgetfreundlich

+ Extrem haltbar

+ Schlag- und kratzfest

+ Große Auswahl an Farben, Texturen und Oberflächenbehandlungen

+ Leicht zu reinigen, hygienisch

– Uniformierter Look

– Kommt in festen Größen, Fugen sichtbar

– schwer

– Nicht UV beständig

– Nur bedingt hitzebeständig

– Man darf das Material nicht imprägnieren

 

Holz

Das Gute liegt doch oft so nah. An Holz als Material für die Küchenarbeitsplatte wird kaum noch gedacht, dabei hat Holz durchaus so einige Vorteile (aber auch Nachteile). Ich mag Holz sehr, weil es natürlich, warm, rustikal und auch günstig (im Vergleich) ist. Aber man kann nicht alles machen auf Holz (Rotwein? Nein!) und es entwickelt eine Patina, die man mögen muss. Holz muss gepflegt werden, aber dann hält es ewig. Ich spreche da aus Erfahrung, lebe ich doch in einem über 100 Jahre alten Holzhaus.

+ Warmes und wohnliches Material

+ Relativ günstig

+ Kann es abschleifen und ölen

– Man muss es abschleifen und ölen (pflegeintensiv)

-+ Entwickelt Patina

– Nicht kratz- und schlagfest

– Nicht hitzebeständig

 

 

Mineralwerkstoff

Foto: Dupont

Arbeitsplatten aus Mineralwerkstoff sind ein Traum – für Leute, die einen langlebigen, robusten und durchschaubaren Begleiter in der Küche brauchen. Der künstlich hergestellte Werkstoff besteht aus Polymeren (Acryl), Mineralien und Farbstoffen. Er wird im Plattenformat hergestellt und ist vielseitig nutzbar. Die Platten können verarbeitet werden wie Holz und entstandene Fugen werden schlicht und einfach wegpoliert. Da der Werkstoff durchgefärbt ist, können auch rausgebrochene Stücke und tiefe Risse wieder repariert werden. Der US-amerikanische Konzern Dupont entwickelte in  den 60er Jahren den Werkstoff unter dem Namen „Corian“, was für viele das Synonym ist für Mineralwerkstoffe. Jedoch lief das Patent nach 30 Jahren aus und heute stellen auch weitere Firmen den Stoff her.

+Nicht-porös

+ Massiv und durchgefärbt

+Kann repariert werden,

+ Einfach zu reinigen

+Auch für große Formate geeignet und dann auch fugenlos

+Eine integrierte Spüle ohne Fugen ist möglich

+ Sehr große Auswahl an Farben und Stärken

– Nicht hitzebeständig

– Als Natursteinimitat nicht zu empfehlen. Ich finde man sieht und fühlt, dass es kein echter Stein ist.

 

Marmor

„You can’t always get what you want … “ passt irgendwie zu Marmor, denn Marmor sucht man sich besser nicht anhand eines kleinen Musterstücks aus, sonst erlebt man böse Überraschungen. Es sei denn, man ist total tolerant und flexibel. Marmor ist ein Naturwerkstoff, der in seiner Form einzigartig ist. Daher empfehle ich Euch, den Marmor direkt beim Steinmetz/Marmorhändler als komplette Platte auszuwählen. Es gibt sehr viele Marmorarten, die Bekanntesten sind wahrscheinlich die drei sehr hellen Sorten, die aus der italienischen Gegend Carrara kommen: Carrara (weiche Zeichnung, hellgrau auf grau), Calacatta (sehr hell, dramatische Maserung) und Statuario (weißer Grundton, graue bis schwarze Linien). Ich bin nicht so ein Fan von weißem Marmor, sondern favorisiere momentan Estremoz aus Portugal (weißcreme/rosa), aber auch Grüntöne und Braun-Beige Töne finde ich sehr schön. Kürzlich habe ich einen sehr schöne Marmorarbeitsplatte verbaut in einer Küche in Berlin gesehen, noch mehr Bilder davon findet Ihr hier.

Foto: Waldfrieden State

+ Ein Naturmaterial

+ Erhältlich in vielen Farben und Varianten

+Luxuriös und einzigartig

+ Hitzebeständig

– Sehr pflegeintensiv, muss regelmäßig (!) versiegelt werden

– Empfindlich für Säuren, Rotwein etc. da offenporig

– Nicht schlag- und kratzfest

– Teuer

– Bei größeren Arbeitsflächen entstehen Fugen

 

 

Noch mehr Kücheninspirationen findet Ihr auf meinem Pinterest-Board

>> KITCHEN / KÜCHE <<

 

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply