Sechs Monate Nordamerika – Teil 1: The Sunny Side of Life

Die Idee zu Waldfrieden State entstand vor fünf Jahren am Lagerfeuer während einer sechsmonatigen Tour durch Nordamerika. Diese sechs Monate waren das Abenteuer unseres Lebens (bis dato). Ein wichtiger Einschnitt, der uns alle (damals waren wir noch zu viert) verändert hat. Für unsere Freunde und Familie haben wir damals einen Blog geführt. Vor einigen Tagen habe ich meine Tagebucheintragungen daraus mal wieder gelesen, die von Komik über Verzweiflung bis purer Freude alles bieten. Bisher gibt es auf Waldfrieden State einige Reiseberichte von unseren „kürzeren“ Touren durch Nordamerika, dabei ist doch insbesondere DIESE Tour der Stoff für ein Buch. Und vor allem interessiert die Frage: warum fährt man mit zwei Kindern unter Vier ganze sechs Monate durch die Gegend?

Lass uns sehr lange Urlaub machen!

So eine lange Reise markiert meist eine Zäsur im Leben. Bei uns war es der Verkauf der Agentur meines Mannes, in die er seit seinem Abitur ununterbrochen sein Herzblut gesteckt hat. Während ich ein stereotypisches Studentenleben genoß und mir einige wilde Jahre im Ausland gegönnt habe, hat mein Mann Kundenpräsentationen am Samstagabend geschrieben. Es ist nur verständlich, dass er nach solch einer harten Phase Lust hatte auf ein großes Abenteuer. Und wie hätte ich da nein sagen können?

Und was war meine Zäsur? Mein zweites Kind war gerade mal 12 Monate alt, Waldfrieden umgebaut und die Hochzeit gefeiert. Es stellte sich mir die Frage, ob ich in meinen alten Job im Marketing oder Agenturleben wieder zurückkehren möchte. Eigentlich wünschte ich mir schon immer einen kreativen Job. Die Reise sollte mir bei meiner Entscheidungsfindung helfen.

Auf der Abenteurerskala von 1-10 würde ich uns eine gute 7,5 geben. Eine 10 wäre mit dem Motorrad und den Kindern durch den Iran fahren, eine 1 jedes Jahr an der Ostsee Urlaub zu machen. Wir wollten ein überschaubares Risiko, ein Land deren Sprache wir sprechen und kalkulierbare Krankheitskeime, die keine Impforgien oder Malariaprophylaxe verlangen. Nordamerika schien uns die perfekte Wahl. Auch weil ich einige Jahre in San Francisco gelebt haben und viel durch die USA gereist bin. All das wollte ich meiner Familie zeigen.

Die Vorbereitungen

Ich sage nur: Planung, Planung, Planung. Und trotzdem kommt alles anders. Jedoch muss man sich um einige Dinge kümmern. Da wäre der persönliche Visumsantrag in der US-amerikanischen Botschaft in Frankfurt, die Flüge, die ersten Unterkünfte, das Wohnmobil, den Haussitter, den Hundesitter, Medikamente, Versicherungen, Kreditkarten, Klamotten für alle Klimazonen, die Lieblingskuscheltiere der Kinder und dann noch mal allen Tschüß sagen. Der Abschiedsschmerz wird zum Glück von großer Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer etwas abgemildert. Meine Tochter bekam vom Kindergarten und auch von ihrer besten Freundin ein kleines Fotoalbum für die Reise: Wenn die Sehnsucht groß war, haben wir darin geblättert.

Unser Startgepäck. Es sollte sich noch um diverse Gepäckstücke vergrößern. Zum Schluß wurden zusätzlich sechs Kartons per Post in den Waldfrieden geschickt.

Auszug aus dem Reiseblog:

Fast Fertig

…“ So, die Sachen für Eva und die Kinder sind schon mal gepackt. Dazu kommen jetzt noch ein paar T-Shirts für mich, drei bis vier saubere Schlüpper und eine Menge Elektronikschrott. An der Frage, ob man auf diese Reise einen Reiseknirps mitnehmen sollte, hat sich unser heutiger Abend fast entzweit …“

Unsere Reiseroute

Bei unserer Reiseroute waren wir uns sehr schnell einig darüber, was wir wollten (Westküste, Hawaii) und was nicht („Fly-over-States“). Und wir konnten auch ziemlich realistisch einschätzen, was mit zwei kleinen Kindern machbar ist. Uns ging es nur um Qualität und nicht Quantität, trotzdem sind es dann doch 12 Staaten geworden. Aber wir haben uns die Freiheit genommen, zum Beispiel einen Monat in San Francisco und fast einen Monat auf Hawaii zu verbringen. Klimatische Bedingungen spielten bei der Routenerstellung auch eine wichtige Rolle, so kamen wir in Los Angeles im milden Februar an und reisten dem Frühling hinterher gen Norden. Den Sommer verbrachten wir dann an der Ostküste. Das war perfekt. Wer hat denn auch schon Platz für Winterjacken im Reisekoffer?

Reisebericht Teil 1: „Schon mal sehr schön hier!“

Auszug Reiseblog: 6. Februar, Los  Angeles
Damit der Bildungsauftrag unserer kleinen Tour nicht ganz unter den Tisch fällt, habe ich mir vorgenommen, unsere Eindrücke zu verschriftlichen. Nach 24 Stunden – von Tür zu Tür gerechnet – sind wir im W Hotel in Westwood gelandet. Sehr schön, sehr trendy, eher nichts für Kinder, gute Lage.

Sehr schnell haben wir uns folgende eiserne Regel zugelegt: ein halber Tag gehört uns, der andere halbe Tag gehört den Kindern. Und: verbringe nicht zu viel Zeit im Hotelzimmer, sonst drehen die Kids durch und zerstören das Mobiliar. Also vormittags Sightseeing und Shopping, nachmittags Spielplatz und Strand.  Die Spielplätze in Beverly Hills und Bel Air sind nett, vor Allem aber glänzend geeignet für Sozialstudien. Hier erste Feststellungen: der amerikanische Kinderwagen ähnelt einem Bulldozer, vollgepackt mit Vorräten, Sandspielzeug, Wechselkleidung und irgendwo darin auch noch das Kind. Amerikaner kreisen ständig um Ihr Kind – Helikoptereltern par excellence. Auch amerikanischen Müttern platzt relativ schnell die Hutschnur, wenn Ihr Kind einfach nicht mit nach Hause gehen will. Weiterhin beliebt: die Nanny spielt mit den Kids, während die Promi-Mama (Elisabeth Berkley (Showgirls, gewählt zum schlechtesten Film aller Zeiten) und die Frau von Al Bundy (wie heisst sie noch?) mit Megasonnenbrille auf der Bank abhängt.

Die meiste Zeit des Tages verbringt man in L.A. jedoch im Auto. Los Angeles ist einfach unfassbar, unfassbar groß. Und während man dann so im Auto sitzt und rausschaut fällt einem unweigerlich auf, dass 50% der Passanten entweder walken oder joggen, die anderen 50% betreiben offiziell keinen Sport, tragen trotzdem Leggins und Sportschuhe und enge Tops (Frauen) und haben super Bodies. Attraktivität spielt in Los Angeles definitiv eine übergeordnete Rolle. Jedoch können nicht alle im genetischen Lotto gewonnen haben. Das wird hier einfach ignoriert und fleißig korrigiert.

Unser Fazit nach einer Woche L.A.:

–       es gibt noch so unfassbar viel zu sehen

–       Museum mit Kids kannste knicken

–       Venice Beach und Abbey Kinney Road sind total super

–       Mein Gott gibt es viele unfassbar reiche Leute

–       Amerikaner bauen sehr schöne Häuser (ja echt!)

–       In einige Viertel sollte man tatsächlich nicht reinfahren

–       Wir sollten mehr Sport machen.

Kauai – Hawaii: „Man bekommt keine Blumenkette um den Hals gehängt, wenn man aus dem Flugzeug steigt!“

Nach knapp einer Woche in Los Angeles steigen wir in den Flieger nach Kauai, Hawaii, wo wir von monsunartigen Regenfällen empfangen werden.

Hanalei Bay, Kauai Hawaii:

Heute ist der erste Augenblick seit also 3 Wochen (heute, Yeah!), die ich vor 20 Uhr ohne die Kinder und Thomas verbringe. Alle Drei habe ich zusammen mit Wendy (unserer Freundin) in den Botanischen Garten geschickt, mir kurz eine Massage (magisch!) und danach einen Kaffee geholt und jetzt sitze ich mitten in Hanalei (Dorf!) auf der Veranda des Coffeshops. Nachdem die Kinder im Bett sind, falle ich auch hier komatös aufs Sofa und schmeiße den Fernseher an. Thomas schafft es dann immerhin noch, die Schnappschüsse des Tages auf den Blog zu packen.

Erste und einzige Enttäuschung auf Hawaii: Man bekommt keine Blumenkettte um den Hals gehängt, wenn man aus dem Flugzeug steigt. Der Flug war allerdings sehr bumpy. Mich konnte besonders nicht beruhigen, als die Stewardess im Rentenalter (alle Stewardessen bei amerikanischen Airlines sind „älter“) mir sagte, dass das Flugzeug schon sehr, sehr alt sei.

Die ersten zwei Tage hat es Monsoon-artig geregnet, wir bekamen zudem Flutwarnungen ständig aufs US-Handy geschickt. An Tag 3 jedoch klarte es auf und seitdem genießen wir das volle Hawaianische Programm. Jeden Tag Regen, jeden Tag Sonne. Unser Ferienhaus liegt in Hanalei Bay, ganz im Norden von Kauai’i – auch genannt die Garden Island. Hier gibt es fantastische Berge mit Wasserfällen und Dschungel und malerische Strände mit Kokosnusspalmen und mega Wellen. Auch hier laufen nur unverschämt schöne Menschen rum. Der Unterschied zu Los Angeles ist nur: in L.A. ist Sport nur Mittel zum Zweck, auf Kauai ist Sport Leidenschaft und raus kommt dabei ein Traumkörper. Jeder ist hier ein Wellenreiter, unabhängig von Geschlecht und Alter. Und: jeder besitzt hier einen Pick-up mit mindestens 3 Surfbrettern auf der Ladefläche. Die Haare werden hier gerne lang und von der Sonne geblichen getragen (für den Look zahlt man sonst viel Geld beim Friseur), Tatoos sind beliebt. Privater Anbau von Hasch ist hier erlaubt. Das könnte der Grund dafür sein, dass man hier ständig angelächelt und gegrüßt wird. Das könnte aber auch der Grund dafür sein, warum so viele Hippies diese Insel als Ihr Refugium gewählt haben. Thomas hat ein neues Hobby entwickelt: er fotografiert jetzt Autos.

Hier kann man also prima leben. Ständig Sonne, tolle Strände, immer grün, immer was zu rauchen. Morgen geht es weiter. Schade.

California und Camper: „Wann kommt der Spaß wieder?“

Nach drei Wochen Hawaii kehren wir zurück nach Los Angeles und übernehmen endlich unseren Camper, der für die nächsten Monate unser Zuhause sein soll. Danach fuhren wir erst Mal durch ein Tal der Tränen.

01 März, Los Angeles:

Der Tag der Wohnmobilübernahme ist gekommen. Als hätte ich es nicht wage geahnt. Was soll ich sagen. So eine Scheisse.

Wir sind um 4 Uhr morgens in L.A. angekommen. Vica hat nicht nur nicht geschlafen die ganze Nacht, sondern sich bei der Landung in meinen Schoss übergeben. Das Wohnmobil sollten wir dann erst um 12 Uhr übernehmen.  Also haben wir uns für den Morgen noch ein Auto gemietet, haben uns an den Strand gestellt und ’ne Runde im Auto gepennt (das war nicht so schlecht). Bei der Wohnmobilübernahme haben wir dann gecheckt, dass wir die Rückgabe des Mietwagens verpennt haben. Die Location also schon geschlossen war. Also mit Mietwagen und Wohnmobil quer durch die Stadt zu einer anderen Location. Eigentlich leidet L.A. unter einer schlimmen Dürre. Nur bei unserer Jungfernfahrt ergoss sich der Regen des letzten Jahres über uns. Dann hat Thomas beim ersten Zurücksetzen mit dem Gefährt auch noch sein erstes Strassenschild umgesemmelt. Nach einem Großeinkauf mit zwei total weinerlichen, völlig übermüdeten und fast verhungerten Kindern streikte an der Kasse auch noch unsere Kreditkarte. Jetzt liegen wir auf dem schlimmsten Campingplatz der Stadt – (eigentlich wollten wir ja jetzt schon fast in Palms Springs sein, haha) auf unserer Pritsche und lauschen den herein rauschenden Flugzeugen im Sekundentakt zu. Der Platz liegt zwar direkt am Strand, aber auch direkt unter der Einflugschneise. Flugplatz zum Anfassen. Schaut man sich auf dem Platz mal um wird schnell klar, wir haben die schlichteste Variante der Gefährte gewählt. Quasi retro. Um uns herum nur Monstergefährte die sich auf Knopfdruck verdoppeln und verdreifachen und Feuer spucken.  Und wie Sau sah es hier drin schon nach 3 Minuten aus. Argghhhh! Ich will zurück nach Hawaii! Ich schleiche mich morgen einfach davon zum roten Teppich bei den Oscars und winke Julia Roberts zu.

Unser erster Campingplatz

05 März: Einige Tage herrschte Funkstille. Wir sind in das erste emotionale Tal unserer Reise gefahren. Nach der sehr holprigen Wohnmobilübernahme hat Thomas die Grippe erwischt. Es war so schlimm, dass wir unsere Fahrt unterbrechen mussten und in einem Bergort names Idyllwild in ein Inn eingekehrten mussten und Thomas sich dort erstmal auskurieren musste. Ich habe derweilen versucht, die Kinder irgendwie bei Laune zu halten. Ein schwieriges Unterfangen. Aus Frust hab ich bei „Mountain Mike“ alle Traumfänger aufgekauft.

Heute sind wir eine malerische Bergstrasse runter nach Palm Springs gefahren. Schon im März ist es hier unerträglich heiss. Keine Ahnung wie die Menschen hier es im Sommer aushalten. Was wir nicht wussten: im Winter herrscht hier Hochsaison. Alles Amerikaner über 65 verbringen in dem Tal ihren Winterurlaub. Das führte dazu, dass wir zunächst keinen Campingplatz gefunden haben. Jetzt stehen wir eingequetscht wie die Sardinen auf einem RV Campingplatz umgeben von Monster-RV so groß wie ein Haus. Der RV rechts neben uns hat springende Delfine in Airbrushtechnik auf seiner Seite, der gegenüber einen heulenden Wolf vor Bergkulisse mitten von Blitzen.

Thomas und ich sind kurz vorm Verzweifeln. Der „Arbeitsaufwand“ mit Camper und Kids ist immens. Es bleibt keine Sekunde (in Zahlen 0,00000) für uns. Sind die Kinder im Bett, fallen wir zwei Minuten später hinterher. Hat jemand von Euch einen Tipp, wie wir es besser machen können? Wann kommt der Spass wieder? Es ist deutlich einfacher an einem Ort zu sein mit fester Unterkunft und einem riesigen Sandkasten und Meer direkt vor der Nase. Die ruhigste Stunde ist während der Fahrt wenn die Kids schlafen.

Morgen fahren wir in den Joshua Tree Park. Aber vorher werden die Kids noch totgespielt im hiesigen Familypool direkt an der Autobahn.

Hach, es ist so schön hier in Palm Springs.

„Es dreht sich alles um die Kinder und damit fährt man gut!“

Es dreht sich alles um die Kinder und damit fährt man gut. Im Leben und im Camper.
Unsere nächste Nacht nach dem Rentnercamp Palms Springs verbrachten wir im Joshua Tree Park inmitten Rocks und Kakteen. Allein der Sonnenuntergang hat uns die vergangenen Tage vergessen lassen. Wir fanden uns ziemlich cool, als wir endlich mit zwei schlafenden Kindern im Camper unser Abendbierchen genossen haben. Bis der supercoole Vater mit seiner kleinen Tochter neben uns auftauchte. Er kam als es dunkel war, parkte das Auto, baute mit seinem 2-jährigen Mädchen das Zelt auf und ging dann erst mal auf eine Nachtwanderung mit einem gut gelaunten Kind. Schon da fanden wir es unfassbar, wie ein so kleines Kind so spät noch so gut gelaunt sein konnte. Am nächsten Morgen, als wir noch total gerädert von der Nacht waren und mit zwei maulenden Kindern am Frühstückstisch saßen, brach der Vater mit seinem kleinem Kind zu einer Wanderung auf. Und das Kind ist gelaufen – freiwillig. Unser neuer Hero! Wir hangeln uns mit Vica meistens durch den Tag durch rosige Versprechungen von Eis, Spielplätzen, iPad und Pools. Außerdem haben wir noch einen zweiten Kinderwagen gekauft, damit wir kein Kind mehr durch die Gegend zerren müssen.

Eine sehr unentspannte Idee, mit zwei Kindern unter vier durch einen Kakteenwald zu laufen. Man sieht, wie krampfhaft ich die Zwei an mich klammere.


Nach der Einsamkeit im Nationalpark ging es nach San Diego zum Massen-Campingplatz. Das Wetter – Überraschung – herrlich und San Diego ist echt schön. Und erstaunlich groß. Man merkt total die Nähe zu Mexiko. Besonders wenn man das Radio einschaltet. Erste Station der Kinderbespassung war der San Diego Safari Park. Der Eintritt ist horrend – wie in allen Freizeitparks. Zudem kann man sich noch diverse Touren hinzubuchen. Wir haben die Asia Tour gebucht und sind mit 9 weiteren Insassen in einem etwas größeren Golfwagen rund um das riesige Freigelände gefahren. Toni wollte sich die ganze Zeit aus dem Fahrzeug stürzen und motzte so laut rum, dass kein anderer mehr verstanden hat, was der Guide so fleißig einstudiert hatte. Mittlerweile meistern wir solche Situationen mit stoischer Ruhe. Solange uns keiner rausschmeißt, ist alles im grünen Bereich. Der Park ist aber absolut empfehlenswert, obwohl man auch dort die ganze Zeit mit angeblich Safari-typischer Musik beschallt wird.
Nächste Station Sea World. Eintritt: der Wahnsinn. Park: kommerziell ohne Ende mit einer extrem pathetischen Orkashow. Wer schon die Delfinshow im Zoo Duisburg ablehnt, muss sich ein Messer in den Bauch rammen, wenn er diese Show sieht. Außerdem wurde vor Showbeginn den Soldaten in ihren jeweiligen Einsatzgebieten gedacht und den aufgestandenen Soldaten im Publikum fleißig Applaus spendiert. Jeder Bundeswehrangestellte in Deutschland würde sich bei dieser Erfahrung die Pulsadern aufbeißen.


Jetzt haben wir uns zwei Tage in Venice Beach eingekuschelt und verbringen die Tage radelnd am Strand. Besonders schön sind die Venice Kanäle abseits des Trubels. Aber es klappt leider immer noch nicht, dass die Kids uns mal für 10 Minuten im Hotelzimmer ignorieren und uns einfach mal schlechtes amerikanischen TV schauen lassen. Stattdessen bricht Vica den Wasserhahn im Waschbecken ab und flutet das Hotelzimmer. Touche! Ich habe Thomas gestern mit dem Camper beim Rückwärtsfahren in einen Ast gelotst. Fazit: Loch im Camper! Dafür heute keine Tasche für mich. Außerdem wollten wir noch sagen, dass wir Euch alle ziemlich vermissen und uns immer freuen, von Euch zu hören. Keep us posted!

Ranch: Die ultimative amerikanische Erfahrung

Jalama Beach, California

Jetzt haben wir es geschafft. Die ultimative amerikanische Erfahrung. Mitten unter Cowboys und Campern. Wir sind auf einer Ranch gelandet. Einer Camper-Ranch. Auch der Camper möchte gerne mal Pferde sehen. Die Kinder finden es jetzt schon großartig. Vielleicht liegt es auch an dem beheizten Pool, in den sie heute Abend schon mal den kleinen Finger halten konnten. Die Versprechungen von Schwimmen im Pool hat uns auch gut durch den Abend gelotst. Ergebnis: Kids schlafen schon. Eigentlich ist dieser Campingplatz aber eine Ausweichlösung gewesen. Unser Wunschcampingplatz am Strand und direkt hinter Bahnschienen (irgendwie landen wir immer öfter hinter Flughäfen, Highways oder Bahnlinien) hatte nur eine Nacht für uns frei. Aber vielleicht auch nicht: Thomas steht nämlich so gar nicht mehr auf Meer. Und Thomas war dran, mit Campingplatzsuche.

Gestern sind wir von Venice  über den Highway No. 1 nach Santa Barbara gekurvt. Die Strecke führt durch Malibu Beach und Malibu scheint unendlich groß zu sein. Über Kilometer zieht sich die Strecke von schicken Beachhäusern und Villen in den Bergen mit Blick aufs Meer. Wenn man denkt, der Reichtum hat nun endlich ein Ende, der findet sich in Santa Barbara schon wieder im Zentrum derer, die es monetär geschafft haben. Wahnsinnig tolle Häuser in malerischer Kulisse. Strand trifft Berge und überall Palmen, Palmen, Palmen. Gestern konnte ich einen Wahnsinns-Sonnenuntergang am Strand genießen (Danke, Thomas, für meine 10 Minuten Ruhe).  Unser Campingplatz am Meer (Carpenteria State Beach) entpuppte sich dann bei Sonnenuntergang als Disco-Campingplatz. Unsere Nachbarn rechts haben den ganzen Abend eine Lichtshow in den Bäumen veranstaltet, die Kinder links kurvten mit beleuchteten Spacefahrrädern und Walkie-Talkies über den Platz, gegenüber wurde mit Leuchtbocciakugeln im Sand gespielt und zu guter Letzt fuhr ein Zwerg mit seinem beleuchteten Truck an uns vorbei.

Heute war der Plan eigentlich, endlich mal ein bisschen Geschichte und Kultur zu erfahren. Der Besuch in der Santa Barbara Mission haben wir dann doch sehr schnell abgebrochen. Eine Guided Tour mit zwei Kindern ist einfach Selbstmord für die Nerven. Stattdessen dann gefühlte 4 Stunden Spielplatz in einem Park. Ein, zugegeben, sehr sehr schöner Spielplatz. Die Kultur haben wir uns dann im Schnelldurchgang per Rundfahrt im Camper durch Santa Barbara nachgeholt. Also fragt uns nicht irgendwelches geschichtliches Zeug, wenn wir zurückkommen. Gerne Fragen zu Unterschieden zwischen deutschen und amerikanische Spielplätzen. Da sind wir schon weit vorne. Also dann, morgen ab aufs Pony! Yeaha!

Der Reise-Alltag. Die Badezimmer sind fragwürdig (meinen Mann stören sie nicht), Kinder, die innerhalb von einer Sekunde ein Hotelzimmer verwüsten können, Yoga funktioniert immer und die Gefahren der Natur lauern überall.

Oh, California!

Im magischen Big Sur wollte sich Thomas schon von uns abseilen. Er findet es einfach zu schön hier. Eine passende Schule für die Kids hat er auch schon gefunden. Eigentlich sitzen wir hier den ganzen Tag unter Redwoods und schauen den Kindern beim spielen zu. Amerikanische Eltern finden es höst seltsam, dass wir unseren Kindern beim Klettern und spielen nicht ständig die Händchen halten. Und dann lesen wir auch noch in Büchern und beobachten unsere Kids noch nicht einmal. Rabeneltern.

Wir nähern uns immer mehr San Francisco und mein Herz flattert ganz schön vor Aufregung. Immerhin sind es jetzt sieben Jahre, seitdem ich SF verlassen habe.

Das war der erste Teil unseres Road Trips. In Teil 2 geht unsere Reise weiter Richtung Kanada. Und es stellt sich die Frage: Wie war es denn nun, nach so vielen Jahren und mit zwei Kindern nach San Francisco zurück zu kehren?

In der Zwischenzeit könnten diese Blog Posts etwas für Euch sein:

Aloha trotz Kids – Reisetipps für Kauai Hawaii
Kauai Guide – Diese Zehn Highlights sollte man sich gönnen
Wie ich Hula lernte auf Hawaii
Der perfekte Tag in Venice Beach – Los Angeles
Die Fünf Besten Interior Shops in L.A.
Camper 101 – die ultimative Packliste für die Reise mit dem Wohnmobil
The Father’s Voice
48h in Palm Springs – kinderfreundlich
Das Yucca Valley mit Kids
Roadtrip mit Kindern – zehn Tipps für entspannte(re)s Reisen

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