Jeep Grand Wagoneer x Buffalo Check – eine Liebesgeschichte

Ich habe kürzlich noch im Radio gehört, dass die Mehrheit der Menschen ihren Autos Namen geben. So auch ich. Mein Auto heißt ‚Woody‘. Da stand nicht etwa Woody Allen Pate (auch wenn meinem Mann das ganz recht wäre), sondern seine hübsche Holzverkleidung an der Seite hat mich zu dem Namen inspiriert. Wie ‚Woody‘ in mein Leben trat und warum dieses Fahrzeug eine Fotostrecke auf Waldfrieden State verdient, erzähle ich Euch gerne.

Falls Ihr schon länger Leser von Waldfrieden State seid, dann wisst Ihr bereits, dass wir gerne unsere Autos aufhübschen. So auch geschehen mit „Woody“, meinem Jeep Grand Wagoneer, dessen Dachhimmel schon fast als Theatervorhang hätte durchgehen können. Die Entscheidung für den passenden Stoff fiel binnen einer Sekunde – denn nichts passt besser zu einem Jeep Grand Wagoneer als ein Buffalo Check Stoff. Beides steht für die rustikale, amerikanische Country Side. Das Ergebnis ist hervorragend und macht ein perfektes Auto noch perfekter. Dieses Veränderung legitimiert auch einen Beitrag über das Auto auf einem Interior Design Blog. Wollen wir mal nicht so streng sein.

A STORY OF LOVE

Kommen wir doch zum romantischen Teil, bevor ich Euch mit den Hard Facts zum Grand Wagoneer nerve: Die Geschichte, wie Woody in mein Leben trat, ist nämlich eine kleine Liebesgeschichte. Eigentlich stand ich schon immer auf ältere Modelle, sowohl bei Männern, als auch bei Autos. Bei Männern hat sich das inzwischen geändert, aber alte Autos finde ich immer noch toll. Während meiner Zeit in San Francisco fuhr ich einen braunen Ford Bronco, bis mein damaliger Lebensgefährte das Auto auf dem Rückweg vom Burning Man in einen Graben fuhr und dort liegen ließ. Ungefähr zu dieser Zeit habe ich mich dann auch schockverliebt in den Jeep Grand Wagoneer. Ein Auto mit Holzverkleidung war für mich schon damals der Inbegriff von Gemütlichkeit, wenn man davon im Autobereich sprechen darf. Auf unseren Road Trips trafen wir hin und wieder mal auf ein Exemplar, wobei ich jedesmal mit Schnappatmung und hektischen Befehlen doch sofort anzuhalten, damit ich ein Foto machen konnte, reagierte. Auf einem Supermarktparkplatz in Montana habe ich sogar mal einen Grand Wagoneer Besitzer (Ex-Soldat mit Cowboyhut) angesprochen. Auf meine Frage: „Wie ist es denn so mit einem Grand Wagoneer?“, antwortete er kurz und schmerzlos:

It’s a pain in the ass, but I love it!

Ab da war klar, den muss ich mal haben.

Einige Jahre später, am 12.02.2017, einen Tag nach der Geburt unseres dritten Kindes, waren mein Mann und ich mit Baby noch im Krankenhaus und erholten uns von der Geburt. Es war acht Uhr morgens, ich kam aus der Dusche als sich folgender Dialog ereignete:

Mein Mann: „Das gibt es doch nicht. Auf dem Klinikparkplatz steht ein Grand Wagoneer. Hast Du den schon gesehen?

Ich (naiv): „Echt? Oh, wie schön. Der ist perfekt, und auch noch in dunkelblau, meine Lieblingsfarbe. Stell Dir mal vor, wir würden mit diesem Auto jetzt nach Hause fahren.“

Mein Mann hält den Autoschlüssel vor meine Nase und sagt: „Dann mach das doch!“.

Ich heulend und kreischend: „Aaaaahhhhhhhhhh!“ 

Ich versuchte noch freudig auf und ab zu springen, aber einen Tag nach einer Geburt war das leider nicht so einfach und sah auch nur bescheuert aus. Das Foto, das dann noch am selben Tag nach der Entlassung auf dem Klinikparkplatz entstand, spricht Bände. Während andere Eltern stolz ihren frisch geborenen Nachwuchs in die Kamera halten (und das habe ich bei Kind 1 & 2 auch gemacht), stehe ich nur da und halte den Autoschlüssel in der Hand.

Just als ich hier diese kleine Liebesgeschichte aufschreibe, ruft mein Mann mich an: der Wagen springt mal wieder nicht an, er steht irgendwo auf einem Supermarkt-Parkplatz und er kommt später … Das ist die Kehrseite eines Oldtimers: es ist immer und ständig etwas nicht so ganz in Ordnung.

An dieser Stelle auch virtuell ein „Danke, Schatz!“ für dieses Überraschungsgeschenk. Das war romantisch von Kopf bis Fuss und das macht das Auto für mich noch besonderer als es eh schon ist.

Über die Vorbesitzer von Woody kann ich nur spekulieren. Ich vermute, es war ein älterer Surfer, der gerne Urlaub auf Hawaii macht. Das würde zumindest die Hula-Figur auf dem Armaturenbrett, den Rückspiegel in Form eines Surfbretts und den Aufkleber „Old guys rule“ erklären.

 

JEEP GRAND WAGONEER – HARD FACTS

Die Amerikaner sind tatsächlicher die Erfinder des SUV – Sport Utility Vehicle. Viele denken ja immer noch, es wären die Briten mit dem Range Rover Classic gewesen, aber der Jeep Grand Wagoneer war 1962 der erste SUV. Bis 1991 wurde er mechanisch unverändert gebaut und hat durch das viele Chrom den Charme der Sechziger nicht verloren, wirkt jedoch durch die Holzverkleidung, als käme er aus den Achtzigern. Vielleicht das Beste der 60er, 70er und 80er und das Beste von heute.

‚Woody‘ stammt als Grand Wagoneer Limited schon aus der Zeit in den Achtzigern (1984), als Kaiser-Jeep an den amerikanischen Autohersteller AMC verkauft wurde. Mit Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern und elektrisch verstellbaren Sitzen und anderem Pipapo erhielt das Fahrzeug ein Upgrade in die Luxusklasse. Von dieser Ausstattung träumten die Range Rover der damaligen Zeit lange.

 

 

 

 

 

Jeep Grand Wagoneer Soft Facts

Mit einem Grand Wagoneer zu fahren, ist wie auf einem gemütlichen Sofa zu sitzen, das gleichzeitig eine Schaukel ist und das unter stetem Gewummer langsam durch die Stadt cruised. Auch wenn das Auto sicherlich schnell fahren könnte, bin ich nicht in der Lage es zu tun. Ich fühle mich ständig wie auf einer amerikanischen Landstrasse in den Rocky Mountains; nur das der gelbe Streifen und die Bergkulisse fehlt. Man könnte sagen, die unspannende Fahrt zum Kindergarten und Supermarkt (tägliche Tour!) wird zur Erlebnisreise. Das Auto macht allgemein viele Geräusche, die neue Autos nicht machen. Da wäre das knautschige Geräusch der Ledersitze, das knackende Geräusch der Handgangschaltung, das Quietschen der Heckscheibe, die man immer ganz runter fahren muss, bevor man die Kofferraumklappe öffnen kann, die dann tonnenschwer und laut einrastet –  genau wie die Türen. Wenn man auch nur ein bisschen zu fest auf die Bremse tritt, quietscht das Auto laut und erschreckt damit das ganze Umfeld.

Auch muss man es ertragen können, dass die Tankanzeige beim Zuschauen sich nach links gen „empty“ bewegt. Man darf einfach nicht daran denken, wieviel Liter sich dieses Fahrzeug bei 100km reinzieht, sonst wird man unglücklich. Woody wird schonend und sparsam eingesetzt und macht mir auch Freude, wenn ich ihn nur anschaue. Viele Leute erfreuen sich übrigens an seinem Anblick und ich werde auch oft angesprochen. Männer wollen dann immer wissen, wieviel Woody verbraucht oder wie teuer er war. Frauen finden ihn einfach nur hübsch und wollen mal drin sitzen.

Links Für Grand Wagoneer Liebhaber

Woody und ich – das ist echt eine kleine Liebesgeschichte. Jemand, der meine Begeisterung für den Jeep Grand Wagoneer teilt, ist der Norwege Arnfinn Hushovd. Er hat seinen damals in Texas gekauft, restaurieren lassen und dann in die Heimat nach Norwegen verschifft. Dort fährt er jetzt entlang der Fjorde. Die beeindruckenden Fotos hält er auf seinem Flickr Account fest (hier).

„Woody“ wurde sogar eine ganze Folge meiner Lieblingsserie This is Us gewidmet. Wäre ich nicht schon eh ein Fan dieser Serie, dann wäre ich es spätestens nach der Folge „The Car“ in Season 02 / 15.

Auch die Gebrauchtwagen-Profis auf DMAX verwandeln hier einen schrottigen Grand Wagoneer wieder in ein Traumauto.

Falls Ihr noch mehr schöne, alte Autos sehen möchtet, dann findet Ihr eine gute Auswahl auf meinem Pinterest Board

>>>DREAM CARS / TRAUMAUTOS <<<

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4 Comments

  • Reply Carsten 4. November 2018 at 17:23

    hi liebe eva,
    hab auch einen vollrestaurierten Woodie, BJ 88 in grey.
    das ist nicht nur ein auto, sondern tatsächlich eine Liebesbeziehung.
    wo habt ihr das schöne holzlenkrad her? und wo/wie habt ihr den dachhimmel
    mit dem karostoff beziehen lassen… selbst gemacht?
    liebe grüße von Carsten

    • Reply Waldfrieden1910 4. November 2018 at 21:19

      Hallo Carsten und Fellow Woody Fan,

      wir verstehen uns. Erst heute habe ich mit einem weiteren Grand Wagoneer Besitzer gesprochen und auch wir waren uns einig, dass es ein ganz besonderes Fahrgefühl ist.
      Das tolle Lenkrad war tatsächlich schon verbaut. Den Dachhimmel habe ich bei einer Sattlerei in der Nähe fertigen lassen, die auch schon den Dachhimmel für meinen Range Rover verändert haben.

      Liebe Grüße,

      Eva

  • Reply Rita 13. Oktober 2018 at 11:16

    Hallo Eva,

    Ich bin echt kein Freund dieser amerikanischen Spritschlucker, aber Woody hat mein Herz erobert! Und diese romantische Geschichte dazu🖤
    Oldtimer sind Autos mit Seele, da hilft nix. Ich hatte mal nen alten englischen Mini, ich kann Dir sagen:
    ein Fahrgefühl als wenn man mim Skateboard bei 120 über die Autobahn schrappt. Keine Spur Komfort, aber Seele!

    Viel Freude weiterhin an Woody

    Herzlich
    Rita

    • Reply Waldfrieden1910 13. Oktober 2018 at 14:27

      Liebe Rita, dann hat Woody trotz großem Spritdurst Dein Herz erobert. Wie schön. Ich fahre ein neues Auto und Woody, aber das das Fahrgefühl bei Woody ist unschlagbar. Das Auto hat Soul.
      Liebe Grüße
      Eva

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