Sechs Monate Nordamerika – Teil 2: the easy life.

Im zweiten Teil des Reiseberichts über unsere sechsmonatige Nordamerikatour mit zwei Kindern fahren wir von San Francisco gen Norden Richtung Kanada. Mittlerweile haben wir uns prima eingegrooved und genießen das simple Leben in der Natur in vollen Zügen. Eine wunderschöne Naturlandschaft folgt auf die nächste und wir können uns gar nicht satt sehen.

San Francisco – Alte Liebe rostet ein bisschen

San Francisco – 20. April: Wir hatten uns einen ganzen Monat so richtig eingekuschelt in unserer kleinen Höhle in North Beach, San Francisco. Kaum zu fassen, dass diese Verschnaufpause vom Camperleben nun ein Ende hat und wir morgen wieder in unserem Camper, der noch außerhalb der Stadt geparkt steht, gen Norden rollen. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass mich das Reisefieber wieder packen würde und ich mal froh sein werde, San Francisco auch wieder zu verlassen. Schließlich ist meine Beziehung zu dieser Stadt sehr emotional, aber – und damit hatte ich auch schon ein wenig gerechnet – nach sieben Jahren Abwesenheit haben wir uns beide (SF und ich) doch stark verändert. Außerdem ist das Leben als kinderlose Frau in den Zwanzigern im Vergleich zum Leben als zweifach Mama dann doch grundverschieden. Das mag auf das Dasein in jeder Stadt zutreffen, jedoch hier ist der Unterschied sogar heilsam für mich gewesen. Es ist für mich immer noch die fantastische Metropole der Welt – ein absolutes Goldstück und auch eine Fahrt über die Mighty Golden Gate Bridge entlockt mir immer noch Glücksgefühle. Aber ich kann mir einfach nicht mehr vorstellen hier zu leben. Downtown und Central San Francisco wirken mittlerweile so zusammengequetscht und ausgefüllt. Jetzt wird jeder freie Bauslot dafür genutzt einen noch höheren Skyscraper neben den Nächsten zu setzen. Die Mieten können sich entweder Leute leisten, die noch im hohen Alter gewillt sind mit mehreren Mitbewohnern zu leben, oder „Techpeople“. Auf diese Google / eBay / Apple Leute war man mal richtig stolz hier in der Stadt. Jetzt jedoch gibt es davon zu viele und die verdienen auch noch zu viel Kohle, so dass sie es nur noch sind, die sich die horrenden Mieten und Kaufpreise der Stadt leisten können. (Kein Haus in der City gibt es unter 1,5 Mio $ und das sind dann keine Paläste). Kein Tag vergeht hier, an dem man nicht im SF Chronicle liest, dass einem Google-Typen die Google Glasses vom Kopf gerissen wurde oder ein Google Transitbus, der die fleissigen Techbienchen mit Luxusbus und natürlich free Wifi in die Silicon Valley Techfabrik bringt, von Demonstranten blockiert wurde. Erst heute habe ich in einer Immobilienspalte die Leserfrage gelesen: „Ist es rechtens, dass ein Vermieter Google Leute bei der Vermietung bevorzugt?“ Zumindest eins steht fest, Chinatown wird nie von den Techleuten erobert werden. Die halten zusammen wie Pech und Schwefel.

Unser kleines Refugium liegt direkt unterhalb des Coit Towers auf einem der vielen Hügel der Stadt. Wer viel Geld hat, der hat Ausblick – mindestens auf die Bay Bridge, noch teurer auf Alcatraz, noch viel viel teurer auf die Golden Gate Bridge. Aussicht ist hier alles. Aber an Wahnsinns-Immobilien mangelt es in der Stadt nicht.

Man könnte meinen, dass wir es uns bei vier Wochen Aufenthalt auch mal ganz entspannt hätten angehen lassen können. Aber wir haben ein Sightseeing Highlight nach dem nächsten angesteuert. Dabei habe ich es endlich auch mal nach Alcatraz geschafft. Viel besser als ich gedacht hätte. Nur bei dem Probesitzen auf einer Zellenpritsche wurde ich klaustrophobisch. Thomas hat alleine Chinatown und Haight Ashbury erkundet und er gab mir danach Recht, letzteres ist die totale Touristenfalle. Auf der Haight Street – dem Hippiezentrum der Stadt vertreiben sich eher Neu-Hippies und Abenteuerobdachlose die Zeit. Die Kids kehren wahrscheinlich nach einer Saison Hippiedasein wieder zu ihren Eltern nach Ohio oder wo auch immer zurück. Die übrig gebliebenen Obdachlosen gesellen sich zu der Masse an Obdachlosen im Stadtzentrum. San Francisco hat offensichtlich immer noch keinen blassen Schimmer, wie man mit den zigtausenden Obdachlosen umgehen soll.

Das fantastische Angebot an Restaurants mussten wir weitestgehend auslassen, aber selbstverständlich kennen wir auch hier jetzt jeden angesagten Spielplatz der Stadt. In San Francisco werden die Spielplätze dann auch wieder, im Gegensatz zu L.A., von Müttern besucht. Väter in Elternzeit scheint es auch hier nicht zu geben. Wahrscheinlich hat Marissa Mayer nicht nur das Home Office für die Angestellten gestrichen. Vielen lieben Dank auch an Whitney, die uns zwei ganz wunderbare freie Nachmittage verschafft hat. Die Kinder sind ganz verrück nach Dir, Whitney. Lele, es war so toll Dich weiterzusehen. Und Vica’s Kindergeburtstag auf dem Ghettospielplatz war dank Euch auch ein mega Erfolg.

So Ihr Lieben, wir packen jetzt die restlichen hundert Sachen. Warum sind es immer noch so viele Sachen? Wir haben doch erst gestern einen großen Karton voller Kram nach Deutschland geschickt? Morgen ruft das Camperleben und wir ziehen weiter in den Norden – Bodega Bay, Russian River, Nappa Valley, Sonoma Valley. Aber erst gönnen wir uns eine Nacht im Hotel Mankas. Ich bin mir sicher, dass Thomas im Mankas erst mal den Finger nicht mehr vom Auslöser der Kamera kriegt. Das müsste genau sein Ding sein.

Obwohl unsere Reise wunderbar ist, vermissen wir Euch alle schrecklich. Besonders die tollen Fotos von Ostern im Waldfrieden ohne uns haben uns ganz traurig gemacht – aber auch froh, weil das Haus anscheinend noch steht und weil ihr dort so viel Spass habt.

Noch eine bewegende Abschlussanektdote: Kürzlich jährte sich das große Erdbeben von 1906. Auch dieses Jahr versammelten sich San Franciscans Downtown um 5:12 morgens für eine Schweigeminute, um der Opfer dieser Katastrophe zu gedenken. Danach heulten die Sirenen der Feuerwehr und der Polizei. Viele der Teilnehmer kleiden sich dabei historisch, um die Opfer zu würdigen. In Reden wurde daran erinnert, dass dieses Erdbeben von damals nicht das Letzte sein wird. Aber die Einwohner dieser Stadt leben nicht in Angst, sondern versuchen sich und ihre Häuser so gut es geht darauf vorzubereiten und sie wissen, dass es diese Stadt schon einmal von Grund auf wieder aufgebaut wurde.

Nordkalifornien – Land of the Trucks

Mankas Inverness Lodge

April/Mai: Nach California Beach Life und Organic Country sind wir nun im Truck Land angekommen. Es hat sich schon ein wenig im oberen Teil von Kalifornien bei den Redwoods angekündigt und manifestiert sich jetzt in Oregon.  Was ich damit meine? Hier fährt fast jeder einen fetten, lauten, wummernden Truck. Jungs zwischen Führerscheinalter (16) und Anfang 30 fahren gerne die Trucks mit den ultrafetten Schlappen. Fälschlicherweise halten die Jungs ihren Truck dann für einen Sportwagen und heizen damit links und rechts überholend über den Highway. Der angebundene Kampfhund auf der Ladefläche ist dabei kein Hindernis. Dann gibt es die Generation Mitte 30 bis Anfang 50.  Diese Männer tragen gern Tarnkleidung, haben ihre Waffe auf dem Beifahrersitz liegen und hinten noch die Laderampe für das erlegte Wild am Auto.

Die Generation ab 60 fährt den gemütlichen Oldtimertruck. Wahre Schmuckstücke. Einer unserer Camphosts hatte eine beachtliche Sammlung alter Trucks aus den 50iger Jahren auf  seinem Grundstück verteilt. Auf die war er sichtlich stolz.

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Die Redwoods im Norden Kaliforniens sind wahre Wunder. Beeindruckend und schön.  Zum Glück kann man diese Bäume auch nach amerikanischer Art vom Auto aus bewundern. Eine kleine Wanderung von ca. 800 Metern hat uns schon den letzten Nerv geraubt.

Die zum Redwood Country dazugehörigen Dörfer waren eher beängstigend.  Ein wenig düster und verlassen. Die Hälfte der Bevölkerung schien auf Crystal Meth zu sein, die andere Hälfte auf einem esoterischen Trip. Jeder dritte Bewohner führt einen Kampfhund an der Leine. Die Zeitung von Garberville zum Beispiel, eine Stadt in den Redwoods von nicht mal 1.000 Einwohnern berichtete in ihrer Ausgabe von einem aufgeflogenen Crystal Meth Lab, einem entflohenden bewaffneten Mörder und einer Frau, die ihren Mann mit einer Mistgabel erstochen hat. Zudem wohnte seinerzeit ein Verdächtiger in dem berühmten Zodiac Killer Fall in Garberville. Wir haben uns dann doch entschlossen wieder weiter zu fahren. Außerdem hat das süße Nichtstun unsere kreativen Kräfte freigesetzt. Thomas und Vica haben sich gestern stundenlang gegenseitig fotografiert, die Kinder konnten auf einem anderen Campground kreativ mit Staub und Asche spielen. Ach, und falls Ihr Euch wundert warum ich plötzlich blond bin. Auch mich hat die Langeweile kreativ gemacht. Ich wollte schon immer einmal im Leben eine Blondine sein (Blonds have more fun und so). Was soll ich sagen, es ist nicht so gelungen. Aber hier ist das auch egal. Es ist einfach fantastisch, im kontrollierten Rahmen als Eltern, so viel Freiheit zu haben. Wir nehmen jede Quatsch-Unterhaltung mit: das Holzfäller Museum, den Confusion Hill Freizeitpark, you name it…

Das letzte Stück kalifornische Küste war wiederum malerisch schön. Besonders schön war Mendocino. (Genau). Fantastisch gelegen, hübsche Häuschen, alles wieder organisch, normale Menschen aber viel schreckliche, lokale Kunst. Die aller allerletzen und ersten Grenzdörfer Kaliforniens/Oregons gruppierten sich wiederum rund um den Highway. Quasi austauschbare Highway Städte. Links und rechts reihen sich Motels neben Fastfoodketten und komischen Einzelhandel. Hier entpuppten sich die Menschen auch wieder als relativ simpel.

In meinem obligatorischen Besuch bei Verizon Telecom (Gigabyteguthaben auffüllen) war ich der einzig normale Mensch und gnadenlos overdressed. Es gab eine Irre, die lauthals obszöne Anrufe mit einem Storetelefon geführt hat (in dem natürlich keine SIM-Karte installiert war). Sie wurde dann auch rausgeschmissen. Es gab einen Cowboy wie aus einem John Wayne Western, es gab eine weitere Irre, die sich sofort einen Stuhl geschnappt hat, sich vor die ausgestellten iPhones platziert hat und dann minutenlang ihre Finger fotografiert hat. Es gab zwei Mutter/Tochter  Kombis.  Ich kann mich nicht entscheiden wer trashiger war. Und es gab den ZZTop Verschnitt Opa. Auch hier sind wir nicht lange geblieben.

Crater Lake

Zur Zeit sind wir in Bend, einer Großstadt (80.000 Einwohner) mitten in Oregon. Um uns herum erstrecken sich schneebedeckte Berge. Hier kann man das ganze Jahr Skifahren und fantastisch klettern. Beides haben wir nicht gemacht. Ha ha! Aber Schnee gab es trotzdem für uns. Als wir zum Crater Lake hochgefahren sind wurden wir plötzlich davon überrascht, und Mutti schön in Turnschuhen. Kultur gab es auch: im High Desert Museum. Dort gab es einen Teil, der sich mit der Geschichte der High Desert Indianer beschäftigt. Beeindruckend und sehr traurig zugleich. Der andere Teil befasst sich mit der Eroberung des Westens durch die Siedler. Sogar ein Teil einer Siedlerstadt wurde nachgestellt. Dort saß eine als Lehrerin aus dem späten 19. Jahrhundert verkleidete Museumsmitarbeiterin und blieb konsequent in ihrer Rolle. Vielleicht kam sie da auch einfach nicht mehr raus.

Ein paar Tiere gab es dort auch zu bewundern.  Das traurigste Exemplar war ein 12-jähriges Luchsmännchen. Es wurde in Kalifornien fast verhungert aufgegriffen. Da ihm sowohl die Fangzähne als auch die Krallen gezogen worden waren, er zudem auch kastriert war, geht man davon aus, dass er als Haustier gehalten worden ist. Er ist wohl auch in Gefangenschaft geboren, seine genaue Rasse ist nicht identifizierbar – er ist eine Art Hybridluchs. Ich möchte nicht wissen, welche Art von Haustieren sich hier sonst noch hinter den Zäunen der Grundstücke rumtreiben. Auf der Fahrt haben wir von der Straße aus zum Beispiel einen Tiger in einem Minigehege gesehen.

Für mich ist es sehr interessant auch mal eine andere Seite Amerikas zu sehen. Obwohl ich so viele Jahre hier verbracht habe, habe ich mich doch meistens in den Großstädten wie Chicago, New York, L.A. und San Francisco rumgetrieben.  Aber hier  erleben wir Small Town und Country Amerika. Die Radiosender spielen Christian Pop Radio und Country. Die Stores verkaufen Cowboy Boots und Waffen.  Eins ist sicher: die Landschaft ist atemberaubend. Die totale Weite. Einfach nichts außer Wälder und Berge.

Die nächste Station – bevor wir nach Portland fahren – ist ein Indianer Reservat. Dort wird Thomas sich wieder auf’s Pferd schwingen und ich gönne mir einen Abend im Kasino. Wünscht mir Glück beim Black Jack.

Howdy!

Long live Oregonians und Bergfest.

Mai: Mission erfüllt: Thomas ist ‘ne Runde auf einem Pferd geritten und ich war eine halbe Stunde im Casino. Und das alles bei den Indianern – echten Native Americans. Ich habe schon im Alter von 3 Jahren alle Winnetou, Old Shatterhand und John Wayne Filme dreifach gesehen (mein Vater ist ein großer Fan). Unser Indianer-Hotel „Kah-Nee-Tah Lodge“ liegt mitten im Warm Springs Reservat in der Nähe von Mount Hood.

Die Fahrt dorthin führt durch wenig bewachsene Hügellandschaft durch die ein Fluss fließt. Ich befürchte, die Warm Springs Indianer (drei Tribes) wurden auch hier übers Ohr gehauen. Unsere erste Station war Thomas‘ Wild West Erfahrung mit dem Pferd. Die Pferde sahen wirklich aus wie Indianerpferde – irgendwie ursprünglicher als die hochgezüchteten „Weißen-Pferde“. Aber was weiß ich schon von Pferden.Die Indianer haben uns auch erzählt, dass auf dem Reservat noch wilde Pferdeherden rumrennen – gesehen haben wir nur wilde Hunde. Wahrscheinlich deren Version von der Big Foot Legende.

Die Lodge an sich ist ein gigantischer Holz-/-Betonbau aus den 70er Jahren. Zum Teil schon wieder stilsicher, aber größtenteils furchtbar. Sehr schön war unser Ausflug in die heißen Quellen des Reservats. Bei 14 Grad und Regen hält man es auch nur in 40 Grad warmen Wasser aus. Das Warm Springs Native Museum war den Besuch ebenfalls wert. Gewohnt unkritisch der grausamen Vergangenheit gegenüber lag das Hauptaugenmerk auf der Bewahrung der Kultur und Sprache in der modernen Zeit. Viele Fotos und Videos zeigten, wie die Stämme in heutiger Zeit Ihre Rituale und Feste leben. Dabei sind die Trachten von beeindruckender Schönheit. Ich bin ein großer Fan.

Während ich im Casino war.

Über meinen kurzweiligen Casinobesuch (ich hatte 30 Minuten) gibt es nicht viel zu berichten. Es war dunkel, laut (500 Slotmachinesgeklingel),  es gab Kaffee für lau, man konnte rauchen (ich nicht! Ich schwör!), das Publikum war unter aller Sau und ich habe 10$ verspielt (ich war schon bei 60$ Gewinn und dann hab ich ALLES auf den Kopf gehauen).

Meine Maniküre bei einer echten Indianerin habe ich dazu genutzt, sie gnadenlos auszufragen. Sie heißt Pauline, hat 7 Geschwister, ihr Vater ist abgehauen als Sie noch klein war und sie lebt zusammen mit ihrer ganzen Familie in Warm Springs. Sie liebt Heavy Metal und möchte unbedingt mal nach Italien reisen und dort in einem kleinen Dorf eine Pizza essen. Leider spricht sie nicht mehr ihre Muttersprache. Diese wird auch nicht in der Schule gelehrt, sondern nur durch Familie und Privatunterricht vermittelt. Darauf haben die Meisten jedoch wenig Lust. Sie findet es auch irgendwie schade, aber who cares, right? Die Schüler des Reservats gehen auf die reguläre Highschool des nächsten Dorfes und werden dort mit den „Weißen“ zusammen unterrichtet. Rassismus gibt es dort laut Pauline nicht. Entweder man mag sich oder nicht. Simple as that.

Bei unserem Fieldtrip in den Dorfsupermarkt in Warm Springs konnten wir das Reservatleben so richtig in uns aufsaugen.  Alles daran war einfach nur schräg und tragisch. Schräg war der coole Indianderchief mit langen Haaren und Feder im Haar, der mich begrüßt hat. Schräg war das Schwarte Brett im Eingang des Dorfladens mit den Ankündigungen, wer sich wann vor das Reservatsgericht zu begeben hat (die Reservate versuchen zunächst Ihre Dinge selbst zu regeln, unterstehen aber trotzdem dem US-Rechtssystem, weil Sie auch US-Staatsbürger sind). Schräg war auch, dass die Hälfte des Stores so einen Art Mini-Museum war mit alten Schaukästen voller Taschen und Kopfschmuck und alten schwarz/weiß Fotos von düster drein schauenden Indianern. Wiederum tragisch war das Warensortiment im Laden. Kein frisches Obst und Gemüse (vielleicht einen Apfel und zwei alte Bananen), nichts organisches (fuck Bio), alles nur in Dosen oder tiefgefroren oder frittiert oder mit einem Mindestzuckergehalt von 90%. Es besteht auch ein sehr deutlicher Zusammenhang zwischen dem Warenangebot und dem Körpervolumen der Reservartsbewohner. Ich versuche mich so vorsichtig wie möglich auszudrücken, weil ich nicht den Eindruck vermitteln möchte, dass ich die Indianer dissen will und weil ich auch nicht meine total romantisierte Indianervorstellung im Klo runterspülen möchte. Go ahead, drück die Spülung. Es ist so. Tragisch und traurig, was wir dort die ganzen Tage gesehen haben.

Nach 40 Meilen Fahrt durch die Plaines ohne irgendein Haus weit und breit und einmal Mount Hood rauf, durch Schnee fahren und wieder runter, sind wir in die Columbia River Gorge in der Nähe von Portland gefahren und haben dort eine Nacht wieder im Camper verbracht. Diesmal waren unser Camphosts Rosie und Jim – ein deutsch/amerikanisches Rentnerpärchen. Rosie kommt aus dem Osten. Sie ist vor über 50 Jahren ausgewandert und hat es nicht geschafft Ihren Dialekt weder im Deutschen noch im Englischen abzulegen. Aber Rosie war sweet und so happy, mal wieder Deutsch zu sprechen. Jim und Rosie haben vor Jahren Ihr Haus verkauft und leben nun permanent im Wohnmobil. Sie ziehen dreiviertel des Jahres durch die Gegend und verbringen den Winter bei Ihren Kindern in Kalifornien, allerdings schlafen Sie dann auch im Wohnmobil. Why?

Am nächsten Tag sind wir dann aufgebrochen nach Portland. Alle touristischen Attraktionen des Tages hatten sich jedoch gegen uns verschworen. Bei den gigantischen Wasserfällen am Columbia River haben wir mit unserem Cruise America Supercampvan nie einen Parkplatz gekriegt und im gepriesenen Rosengarten von Portland (zweiter Name von Portland ist „City of Roses“) blühte KEINE EINZIGE Rose. WTF?

Diesmal haben wir uns 4 Nächte ein Hotelzimmer gegönnt in einer alten Schule im Alberta District von Portland – in der Kennedy School. (Wie ich später erfahren habe, ist Alberta früher ein Gangviertel gewesen. Aber nur von „Baby Gangs“. Die Frau, die uns das erzählt hatte, kommt ursprünglich aus L.A.  und ist ganz andere Gangkaliber gewohnt. Ihre Berichte von den Gangavierteln in L.A. haben uns erschüttert. Jetzt ist  das Alberta-Viertel gentrifiziert und Heimat vieler Künstler und Indies und Ferienziel von so Leuten wie uns.) Wir haben in einem alten Klassenzimmer geschlafen, in der noch die alte Tafel stand. Das verschaffte uns wichtige Minuten der Erholung von den Kids. Wir freuen uns wirklich um jede Milisekunde, in der sich die Kids allein beschäftigen, da wir mittlerweile ziemlich durch sind. Besonders Highlight des Hotels für uns alle war jedoch der unglaublich heisse Pool im Innenhof.  Thomas fand auch die Bar ganz gut, in der er dann mal abends entschwunden ist.

Thomas und ich sind große Fans von Portland. Dieses Städtchen ist wirklich sehr schön und entspannt und alles ist grün. Mitten durch fließt der Columbia River, es gibt einen großen Binnenhafen und viele fette Brücken, so ein bisschen wie Duisburg. Vielleicht finden wir Portland deshalb auch so schön. Es erinnert uns sehr an zu Hause. Nur die Leute sind besser angezogen als in der Duisburger Innenstadt. In Portland trägt man gerne Stulpen und selbstgenähte Kleider, Piercings und Tattoos, Strähnen im Haar und Frisuren die anders sind. Die Hipster, die bei Intel arbeiten, ziehen in die Apartmentgebäude, die sich Downtown reihenweise erheben. Portland ist eine Foodiestadt. Es gibt überall tolle Restaurants und Cafes und Delikatessengeschäfte. Die Luftqualität ist super und der Blick auf Mount Hood in der nahen Ferne beeindruckend.  Ein besonders schönes Viertel in Portland ist der Pearl District. Dort gibt es viele alte Industriegebäude, die zu Geschäften und Restaurants umgebaut worden sind. Leider sind wir an diesem Tag Kameralos durch das Viertel gestreift, sonst hätten wir Euch mit unzähligen schönen Aufnahmen zugespamt.

Hier sind wir ständig und immer: Waschsalon

Der schöne Abschluss unseres Aufenthaltes war das Abendessen bei meinem alten Familienfreund George und seiner Frau Wendy in Beaverton. Thank you for the delicious Tacos und that you tolerated  Toni’s constant complaining that night. It was so good to see you again! George und Wendy sind aus Fresno nach Portland gezogen. Es gibt nichts Schönes zu berichten über Fresno, außer dass dort noch eine liebe Freundin wohnt. Fresno liegt im Central Valley von Kalifornien. Es gibt dort kein Wasser mehr, die Böden sind durch jahrzehntelangen Chemikalienmissbrauch der Farmer total im Arsch und die Luftqualität ist katastrophal (der Smog von L.A. hängt dort im Valley fest. ) Nirgendwo sonst in den USA ist die Krebsrate so hoch wie in Fresno.  Also, nichts wie weg aus Fresno.

Wir fahren jetzt wieder an die Küste und hoch nach Kanada. Leider sind wir schon spät dran, sodass wir nicht mehr so viel Zeit in Kanada verbringen werden wie ursprünglich geplant, aber wir freuen uns schon sehr auf Kanada. Übrigens liegt unser Bergfest jetzt auch schon hinter uns. Wahnsinn wie die Zeit vergeht

The Great Pacific Northwest

Juni: Wir haben schriftlich schon so lange nichts mehr von uns hören lassen. Deshalb hier noch einmal ein Nachtrag zu unserem letzten Westküstenabschnitt. Warum ich nichts geschrieben habe? Das lag am Stress! Ja, wir haben hier auch Stress. Meistens liegt es nicht an den vielen tollen Dingen, die wir hier machen, denn zu so viel kommen wir auf unserer Reise nicht, sondern an den Kindern. Besonders Toni entwickelt sich gerade zum Terrortrotzkind. Daher versuche ich jetzt zusammenzufassen, wo wir uns seit dem letzten Post so rumgetrieben haben.

Auf den Fähren liegen für die Gäste Puzzle aus. Die Fertigstellung ist eine Gemeinschaftsarbeit.
Die Kids suchen nach Orcas.

Auf unserem Weg nach Kanada sind wir über die San Juan Islands gefahren. Das hört sich spanisch an, hat aber weder klimatisch noch thematisch damit etwas zu tun. Die San Juan Islands sind eine Inselgruppe (170 Inseln) zwischen Kanada und Washington State. Es gibt hunderte von Fährverbindungen hin und her und quer. Die Inseln sind Heimat vieler Orcas, daher heißt eine der Inseln auch Orca Islands. Leider konnten wir auf unseren diversen Fährfahrten und auch während wir uns zweimal für Stunden an der Küste auf die Lauer gelegt haben nichts als im Wasser schippernde Baumstämme entdecken. Im Norden der Westküste schwimmen übrigens dauernd irgendwelche Baumstämme im Wasser rum. Besonders beeindruckend sind die enormen Sägewerke an den Küsten, dort lagern tausende von Stämmen im Wasser.

Doch zurück zu den Orcas: Es gibt zwei Arten von Orcas bei den San Juan Islands. Die eine Gourmet-Gruppe lebt dort permanent und ernährt sich nur von einer bestimmten Thunfischsorte. Die andere Gruppe zieht zweimal im Jahr dort vorbei und frisst ALLES. Die Gruppen wollen übrigens nichts miteinander zu tun haben.

Die San Juan Islands sind felsig und grün und sehr entspannt mit vielen tollen Feriendomizilen und fetten Booten aus Seattle im Hafen. Von dort aus sind wir nach Victoria auf Vancouver Island übergesetzt. Eine sehr große Insel von der wir nur sehr wenig sehen konnten. Landschaftlich sehr schön mit vielen Wasserfällen und Naturschutzgebieten und einem sehr schönen Hafenort namens Victoria. Benannt nach Queen Victoria (tolle Statue am Hafen). Die Architektur der Stadt ist ein Mix aus Viktorianischen Palästen, neuen Apartmenthochhäusern und schlimmen 70er Jahren Mehrfamilienhäusern. Ständig sausen Wasserflugzeuge über die Stadt. Was der Helikopterflug auf Hawaii, ist hier der Rundflug im Wasserflugzeug.

Über den „Kanadier an sich“ können wir sagen, dass er sehr attraktiv ist, groß, sehr gesund aussieht und freundlich und entspannt ist. Viele Männer sehen aus wie Bilderbuchholzfäller und die Frauen wie Models – nur ohne Schminke.

Vancouver war unser zweiter Stop auf unserer kleinen Kanadarundreise. Ein Haufen voller Skyscraper am Meer vor beeindruckender Bergkulisse. Es gibt haufenweise gute Restaurants mit genialer indischer Küche. Davon durften wir einen indischen Geheimtipp mal ausprobieren, jedoch hat Toni den kompletten Laden zuerst mit Chaitee überschwemmt und dann zusammengeschrien – natürlich ohne einen Bissen zu essen. Für uns ein frustrierendes Erlebnis, worauf Thomas sich dann mit den Kids auf einen Spielplatz verabschiedet hat und ich alleine losziehen durfte. (Danke!!!) Unser letztes Wochenende in Kanada und im Camper haben wir an einem See auf einem gewaltigen Campingplatz im Wald verbracht. Unsere Nachbarn links waren ein Proletenpärchen mit zwei Kids und Singlefreund, die uns mit selbstgekeltertem Wein und Cheeseflips (deren Frühstück, Mittag- und Abendessen) versorgt haben. Als Dankeschön haben wir ihnen unsere zusammengesammelte Camperausrüstung vermacht, da das Ende unserer Camperzeit unmittelbar bevorstand. Dinge wie Olivenöl und Gemüse schienen ihnen ein wenig fremd zu sein. Kanadier können Amis übrigens nicht leiden – zu arrogant. „Die denken wohl, die wären was Besseres“. Unsere Nachbarn rechts waren ein ausgewandertes britisches Pärchen mit zwei Kids und Labradoodle (unser nächster Traumhund) im alten VW Bus, die uns mit ihrem britischen Humor wieder auf die Sonnenseite gebracht haben.

Für Opa, den größten John Wayne Fan aller Zeiten.

Bei der Ausreise aus Kanada wurden wir übrigens gefilzt. Das einzige, was der ausnahmsweise nette Grenzbeamte zu beanstanden hatte, waren vier (4!!!) kanadische Holzscheite, die Thomas dann zu Fuß noch mal zurück über die Grenze tragen musste (inklusive einer Einreise nach Kanada mit Passkontrolle etc.), um sie dann an einem alten Holzschuppen zu entsorgen, während Toni und Vica das Immigrationsoffice zusammengebrüllt haben. Die waren wahrscheinlich total froh, als wir endlich weg waren. Holz darf nicht aus Kanada in die USA ausgeführt werden – wegen möglicher Bugs im Holz. Nee, is klar – und was ist, wenn die Bugs einfach über die Grenze fliegen oder gar krabbeln?!

Nach drei Tagen packen, verschenken, wegschmeißen und aufräumen waren wir soweit, den Camper zurückzugeben. Übrig blieben vier Koffer, fünf Taschen, zwei Kindersitze, zwei Buggys, drei Kartons zum Verschicken nach Deutschland und Wehmut bei uns allen, dass nun unser freies Camperleben zu Ende geht.  Die Trauer war dann schnell wieder vergessen, als wir in der Salish Lodge zu viert in unserem Whirlpool lagen. Nach Yoga mit John für mich und Massage mit Jenny für Thomas sind wir alle relevanten Drehorte von Twin Peaks abgefahren.

Letzter Ort für uns an der Westküste war Seattle. Schön. Schön. Schön. Ähnlich wie Vancouver: Skyscraper in Downtown mit Hunderten von Pennern, viel viel Wasser und Berge im Hintergrund. Die Leute sind entspannt, tragen gerne außergewöhnliche Haarfarben und Klamotten, lieben Fahrräder und arbeiten wahrscheinlich bei Boing, Amazon, Microsoft oder Starbucks. Leider lieben die Leute dort ihr Fahrrad nicht genug, denn man steht in Seattle ständig im Stau. Und genügend Spielplätze gibt es dort auch nicht, was für uns nicht unerheblich war, denn wir verbringen aus Friedensgründen weiterhin einen großen Teil des Tages auf Spielplätzen.

Toni’s erster Haarschnitt im Rudy’s Barber Shop.

Im dritten Bericht über unsren sechsmonatigen Road Trip durch Nordamerika geht es an die Ostküste der USA. Wir entdecken Martha’s Vineyard und verlieben uns in Vermont.

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